Trio Gaspard
©Irène Zandel
Bild: ©Irène Zandel Download (mp3, 4 MB)

Brandenburgischen Sommerkonzerte - Kommunikation auf Augenhöhe: "Trio Gaspard"

Kammermusik stand auf dem Programm - am Samstag Abend bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten. Das Festival war zu Gast im Kloster Stift zum Heiligen Grabe in der Prignitz. Dort war das "Trio Gaspard" zu erleben, eine junge, aber bereits recht erfolgreiche Formation der doch überschaubaren Szene der Kammermusik.

Historischer und spiritueller Ort

Das Kloster Stift zum Heiligen Grabe ist einer der geschichtsträchtigsten Orte in Brandenburg und dazu auch ein spiritueller - obwohl es seit der Reformation keine Nonnen mehr dort gibt.

Es gibt aber Stiftsfrauen, denn seit der Reformation wurde das Kloster als Damenstift weiter geführt - also dieser besondere Ort, der bis heute lebendig ist. Man sieht, wie die letzten Jahrhunderte ihre Spuren hinterlassen haben. So wurde die Kapelle mit der Nachbildung des heiligen Grabes von Jerusalem Anfang des letzten Jahrhunderts von der damaligen Äbtissin im neugotischen Stil umgestaltet.

Und wenn man über den historischen Friedhof geht mit den Gräbern der Stiftsdamen, dann kann man sich dem besonderen Genius loci eigentlich kaum entziehen - und so  erlebt man in diesen Mauern Musik intensiver als in einem seelenlosen Neubau.

International besetzt - Das Trio Gaspard

Der Geiger Jonian Ilias Kadesha, etwas stämmig, mit lockiger Künstlermähne, kommt aus Griechenland. Die Cellistin Vashti Hunter ist Engländerin und der Pianist Nicholas Rimmer ist Deutscher.

Gefunden haben sie sich in Berlin an der Hanns-Eisler-Hochschule, 2010 haben sie das Trio gegründet und danach intensiv am Ensembleklang gefeilt. Heute sind sie weltweit unterwegs.

Zum Konzert am Samstag kamen sie gerade aus London, da waren sie in der Wigmore Hall, sind dann früh um 3.30 Uhr gestartet. Auf die Qualität der Darbietung hat sich das aber nicht ausgewirkt - es war ein wirklich ganz herausragendes Musikerlebnis!

Ambitioniert in Sachen Haydn

Zu Beginn war ein Trio von Joseph Haydn zu hören. Eines seiner spannendsten, entstanden in London, in seiner letzten Lebensphase in der seltenen Tonart Fis-Moll. Schon nach wenigen Takten beeindruckte, wie perfekt austariert und akzentuiert die Interpreten zu Werke gehen.

Der Geiger Jonian Ilias Kadesha hat einen sehr klaren, geraden Ton, es gibt kein Dauervibrato bei ihm, sondern er setzt es gekonnt an den dramatischen Stellen ein. Die Cellistin Vashti Hunter macht das ähnlich. Und Nicholas Rimmer ist weit mehr als Begleiter oder Fundament, sondern kongenialer Partner. Er verwendete das Pedal des Bösendorfer auch wohldosiert.

Hier treten drei Musiker auf Augenhöhe in Kommunikation miteinander. Musik ist ja, wenn sie gut ist, Kommunikation - und die überträgt sich aufs Publikum! Am Ende des Konzerts gab das Trio Gaspard bekannt, in den nächsten Jahren alle 43 Haydn-Trios auf CD aufnehmen zu wollen. Für dieses Projekt sammelte man Spenden - und ich würde sage, dieses Geld ist sehr gut angelegt!

Musikalische Poesie - Robert Schumanns "Fantasiestücke"

Werke aus diesem Zyklus werden bei Trioabenden immer gerne genommen, da sie hochvirtuos sind und einen eigenen Ton haben. Schumann war ja ein verkappter Literat und das hört man in dieser Musik.

Hier findet die Kommunikation auf einer poetischen Ebene statt - drei Instrumente spielen quasi ein Gedicht mit großen lyrischen Bögen. Darin liegt natürlich wesentlich mehr "geronnene Emotion" als bei Haydn. Und die brachte man mit großem Ausdruck zum Tragen. Während das Haydn-Trio fast historisch-informiert angegangen wurde, ließ man sich hier von den Emotionen treiben, die in der Musik stecken, brachte aber auch das ironische Element, das Bizarre, das bei Schumann gelegentlich "um die Ecke schaut" sehr gut zur Geltung.

Verbindung von Klarheit und Expressivität - Das Trio Nr. 2 in e-Moll op. 92 von Camille Saint-Säens

Das rund 40-minütige Werk war geschickt gewählt für den zweiten Teil des Konzerts nach der Pause. Denn in ihm steckt sowohl Haydn-Stilistik als auch Schumann’sche Lyrizität.

Saint-Säens bündelt in gewisser Weise seine Inspirationen - auch Franz Schubert ist in diesem "Kopfkino in fünf Sätzen" mitverarbeitet. Das hat in Frankreich damals auch viel Kritik hervorgerufen, nach dem Motto, der Komponist schreibe "zu Deutsch". Vielleicht ist dieses zweite Trio deshalb häufig bei uns zu hören.

Schon der Anfang packt den Hörer, da schält sich aus dumpfen, dunklen Klavierakkorden eine sehnsuchtsvolle Cello-Melodie, die schließlich von der Violine aufgenommen wird ...

Hier konnte das Trio Gaspard dann die Klarheit und Stringenz, die es bei Haydn demonstriert hat, mit dem lyrischen Ton und der dramatischen Expressivität verbinden. Zweifellos der Höhepunkt eines großen Kammermusikabends!

Claus Fischer, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Staatsoper: Il primo omicidio; hier: Olivia Vermeulen (Abel), Kristina Hammarström (Cain) und Arttu Kataja (Stimme von Luzifer); © Monika Rittershaus
Monika Rittershaus

Staatsoper Unter den Linden Berlin - "Il Primo Omicidio"

Alessandro Scarlatti gilt mit seinem vielfältigen Werk als wegweisender Reformer der Barockmusik. Im Rahmen der Barocktage ist nun sein Oratorium "Il Primo Omicidio" über den ersten, biblisch verbürgten Brudermord von Kain an Abel zu erleben.

Bewertung: