Festivalorchester Griechenland-Deutschland
Bild: MUTESOUVENIR | KAI BIENERT

Young Euro Classic - Deutsch-Griechisches Jugendorchester Konzert

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Die angeblich rationalen Deutschen und emotionsgesteuerten Griechen - diesem Cliché ging ein sehr gut komponiertes Programm auf den Grund. Prometheus schafft zwei Wesen, eines mit Herz und eines mit Verstand. Orpheus sucht bei Gluck gegen alle Vernunft seine Geliebte im Hades. Mythisch Mikis Theodorakis’ Alexis Sorbas, und am Schluss versucht Beethoven in seiner Chorphantasie die Utopie einer allumfassenden Liebe. 

Leider wollte in diesem so gut komponierten Programm der Funke nicht recht springen, lange musste man auf magische, beseelte Momente warten. Das lag auch an den überambitonierten Tempi, die Christoph Eschenbach den einmal wirklich sehr jungen Musikern abverlangte.

Glück kann sehr langweilig werden

In Beethovens Prometheus glichen die schnellen Läufe nur einer technischen Herausforderung, sie fand unmitelbar in Glucks züngelnden Flammen ihre Forsetzung.

Bei langsamen Passagen fiel die Musik oft auseinander, besonders drastisch im sich endlos ziehenden Flötenschluss des 2. Aktes der Oper Orfeo, Glück kann sehr langweilig werden, wenn es keine innere Spannung hat.

Einstudiert

Der Kammerchor Cantus Domus klang sehr gut einstudiert, aber das Einstudierte stand im Vordergrund. Der Akt lebt von der Spannung mit der Solistin (Orpheus, früher von Kastraten gesungen), aber die eingsprungene Laura Aikin bot sehr viel Vibrato und wenig Textverständlichkeit und damit keinen echten Widerpart.

Wacker, aber ohne Unterleib

Die Filmmusik zu Alexis Sorbas wurde in einem Arrangement als Flötenkonzert geboten. Stathis Karapanos setzte sich wacker ein, aber selbst dem abschlissenden Tsirtaki fehlte der Unterleib.

Mehrfach im Gestrüpp verheddert

Den vermisste man auch in Nikos Skalkottas Grichischen Tänzen, hier hätte man sich gewünscht, dass die griechischen Musiker die deutschen ansteckten, aber vielleicht können die heute mit dieser Folklore auch nichts mehr anfangen. 

Als Fil Liotis mit seiner freien Fantasie als Beethoven-Pianist die Chorphantasie einleitete, war zum ersten Mal an diesem Abend wirkliches Musizieren, ein magischer Ton zu hören. Leider fand auch er keinen Widerpart im Orchester, das sich mehrfach im Gestrüpp verhedderte.

Clemens Goldberg, rbbKultur

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