Young Euro Classic 2019: Jovem Orquestra Portuguesa
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Young Euro Classic - Das Portugiesische Jugendorchester

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Hier stimmte einmal alles, was sonst lästig und nervig sein kann. Der Pate des Abends, der Journalist Rolf-Dieter Krause fasst sich knapp und richtet den Blick auf die tolle Leistung Portugals in der Wirschaftskrise und die dauernde finanzielle Bedrohung des Orchesters. Die jungen Musiker brauchen kein Jackett und keine Fliege und keine Abendkleider, stattdessen bringen sie Tablets mit für die Noten und jede Menge Begeisterung und Leidenschaft.

Das Programm ist nicht überlang sondern sehr gut gemacht, selbst die obligatorisch übernommene 7. Sinfonie von Beethoven wird sich als in besten Händen erweisen.

"Nur" Melodien

George Enescus "Prélude à l’unisson" besteht "nur" aus Melodien, die in den Streichern im Einklang und in der Oktav vorgetragen wird. Eine große Herausforderung, eine Konzentration ohne Gleichen, wunderbare Plastizität - alles vom hervorragenden Dirigenten Pedro Carneiro ohne Attiüde und höchst effizient mit den Musikern gestaltet.

Young Euro Classic 2019: Jovem Orquestra Portuguesa
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Improvisation, ohne Kompromisse an Wohltönigkeit

Dann ein einzigartiges Projekt, das fünf MusikerInnen mit körperlichen und geistigen Herausforderungen mit dem Orchester vereint. In einem Jahr erarbeiteten sie mit dem Komponisten Joao Godinho das Stück "Alcance, reach" - ein "Ausgreifen", bei dem alle voneinander lernten, z. T. ohne Noten, mit Improvisation, ohne Kompromisse an Wohltönigkeit, ein spannender Prozess, der sich auf der Bühne abspielt und uns mitnimmt.

Am Schluss Papierstreifen, die fast aus dem Nichts kommen, rascheln, und ins Publikum wandern. Beschrieben von den Musikern, mit Namen, Noten, Gedichten…. Wirklich berührend, ohne sonst durchaus ja auch mögliche Peinlichkeiten!

Das Orchester wird zum Chor

Dass Pedro Carneiro ein sehr prominenter Schlagzeuger ist, kann man der rhythmischen Vielfalt, der Genauigkeit aller Klangregister anhören.

Das Orchester ist hörbar mitgerissen von Beethoven, ohne dass die Sau durchgeht. Der Taumel und die Ekstase des Finales sind unwiderstehlich.

Schließlich noch eine Zugabe, die genauso originell ist wie das Programm: Das Orchester wird zum hervorragenden Chor, durchaus eine Option, wenn es mal mit den Instrumenten nichts werden sollte. Mustergültig!

Clemens Goldberg, rbbKultur

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