Young Euro Classic 2019: Polska Orkiestra Sinfonia Iuventus; © MUTESOUVENIR | KAI BIENERT
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Konzerthaus Berlin - Young Euro Classic - Eröffnungskonzert

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Im 20. Jahr seines erfolgreichen Bestehens hätte man dem Festival Young Euro Classic wahrlich etwas mehr Innovation gewünscht.

Young Euro Classic 2019: Polska Orkiestra Sinfonia Iuventus, Probenfoto; © MUTESOUVENIR | KAI BIENERT
Polska Orkiestra Sinfonia Iuventus | Bild: MUTESOUVENIR | KAI BIENERT

Schaut man auf das Publikum, so ist es offenbar mit dem Festival alt geworden. Kaum ein Gast, der im Alter der Musiker auf der Bühne ist – und das geht immerhin bis 30! Seit 2011 wird nun schon die Festivalhymne von Iván Fischer gespielt, früher gab es jedes Jahr eine neue! Und dann die so überflüssigen, peinlichen Reden! Selbstlob und Plattitüden über 20 Minuten, während derer die Musiker auf der Bühne warten müssen, nichts und niemand scheint das endlich abzuschaffen.

Auch bei der Programmgestaltung wird es immer konservativer. Beethoven! Alle Sinfonien! Gleich zwei am ersten Abend! Wenn es dann wenigstens im Beethoven'schen Geist etwas rauer und wagemutiger geworden wäre. Aber die Musiker des Polnischen Jugendorchesters kommen in Schwarz und mit Anzug und Fliege auf die Bühne, sehr brav, kein Lächeln während des ganzen Abends zu sehen. Es sind Hochschulstudenten, die offenbar schon ganz an ihre Zukunft im Betrieb denken.

Das ist alles auf hohem technischen Niveau gespielt, aber der Gehalt bleibt außen vor. Manchmal blitzte bei den ausgezeichneten Bläsersolisten Individualität auf. Der immerhin noch junge Dirigent Jakub Chrenowicz ist da keine Hilfe. Er dirigiert alles ohne Unterlass durch. Keine Übergänge, keine Verwandlung, keine freie Passage.

Irgendwie denkt man an die heutigen Verhältnisse in Polen. In der 6. Sinfonie bleibt das Verhältnis zur Natur ungeklärt, in der 5. hakelt es gottlob auch mal hier und da, man ist fast froh darüber.

Eine weitere Tradition: das "zeitgenössische" Werk. Eigentlich löblich, aber meist nicht irgendwie herausfordernd. Dieses Mal trug es zurück ins Jahr 1947, zu Artur Malawskis Toccata. Kein Wunder, dass man nach dem schrecklichen Krieg wieder in die Zwanzigerjahre zurückdachte, ein wenig Jazz und Expressionismus. Auch hier: alles rückwärts.

Auch die Festivalleitung scheint in die Jahre zu kommen.

Clemens Goldberg, rbbKultur

Weitere Rezensionen

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Mutesouvenir | Kai Bienert

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