Young Euro Classic 2019: Bundesjugendorchester; © Mutesouvenir | Kai Bienert
Mutesouvenir | Kai Bienert
Bild: Mutesouvenir | Kai Bienert Download (mp3, 5 MB)

Young Euro Classic - Bundesjugendorchester

Bewertung:

Noch konservativer können junge MusikerInnen nicht auftreten: alle ganz in Schwarz, sogar mit schwarzer Fliege. Dazu ein Dirigent, dessen rechte Hand kaum einmal ruht. Wenn sie es endlich einmal tut, ist das Resultat sofort zu hören: Freiheit!

Young Euro Classic 2019: Bundesjugendorchester, hier: Alexander Shelley, Dirigent, und Msaki, Gesang; © Mutesouvenir | Kai Bienert
Msaki (Gesang) und Alexander Shelley (Dirigent) | Bild: Mutesouvenir | Kai Bienert

Alexander Shelley ist offenbar wenig an Gefühl oder ruhigen Momenten interessiert, dafür umso mehr an Brillanz und technischer Perfektion. So bleibt es bei Waltons letztlich britisch-kolonialistischer "Johannesburg-Ouvertüre" bei reiner Brillanz. Man hätte sie auch mit Lässigkeit und leichtem Augenzwinkern darbieten können.

Enttäuschend gehemmt fiel auch der afrikanische Beitrag zur Afrika-Tournee des Orchesters aus, drei Gesänge von Miriam Makeba. Die Sängerin Msaki klebte an ihren Noten, der Schmerz einer Mutter über den Verlust des Kindes blieb merkwürdig blass. Wussten alle Beteiligten eigentlich, wovon die Texte handelten? Das Publikum sicher nicht, denn kaum einer der Besucher hatte ein Programm.

Auch bei Gershwins Suite aus Porgy and Bess sprang der Funke erst zögerlich über. Wieder Furcht vor heftigen Gefühlen, die doch gerade in der Pubertät eigentlich so oft auftreten! Mehr zuhause war man bei Brahms, allerdings auch hier mit den angesprochenen Gefühlsdefiziten. Die Brahms-Zugabe, bei der der Dirigent endlich mal ganz locker zurücktrat, war auch sofort hinreißend. So hätte man sich den ganzen Abend gewünscht.

Das geht besser

Nach sieben Konzerten kann man auch ein Fazit ziehen. Wenn schon Paten, dann bitte eindringlich darauf hinweisen, dass die Reden nicht zur Beweihräucherung des Festivals dienen sollen, sondern zur inhaltlichen Einführung ins Programm. Das Wort "wunderbar" gehört nie öfter als zwei Mal verwendet. Es braucht bitte dringend eine neue Festivalhymne. Überlange Programme sind für Jugendorchester nicht förderlich. Die Programmauswahl mit fast reiner Hochklassik, Romantik und Spätromantik sollte von der Festivalleitung aktiver und fordernder erweitert werden.

Ich wünsche mir endlich wagemutigere Uraufführungen. Von der Kleidung bis zum überernsten Auftritt und der konservativen Werkauswahl ist die Rückwärtssicht doch bedrückend. Es gab insgesamt schon sehr viel innovativere Jahre, was auch an der bleiernen Vorgabe der Beethoven-Staatsaktion lag.

Clemens Goldberg, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Young Euro Classic 2019: Galilee Chamber Orchestra (Israel-Palä
MUTESOUVENIR | KAI BIENERT

Young Euro Classic - GALILEE CHAMBER ORCHESTRA

Für die jungen Musiker des arabisch-israelischen Galilee Chamber Orchestra ist es erkennbar wichtig, ihr Anliegen einer Kulturbotschaft in verfeindeten Gesellschaften nach Berlin zu tragen. Dabei haben sie sich für ein durchweg elegantes, humorvolles, rhetorisch geschliffenes Programm entschieden.

Download (mp3, 4 MB)
Bewertung:
Festivalorchester Griechenland-Deutschland
MUTESOUVENIR | KAI BIENERT

Young Euro Classic - Deutsch-Griechisches Jugendorchester Konzert

Die angeblich rationalen Deutschen und emotionsgesteuerten Griechen - diesem Cliché ging ein sehr gut komponiertes Programm auf den Grund. Prometheus schafft zwei Wesen, eines mit Herz und eines mit Verstand. Orpheus sucht bei Gluck gegen alle Vernunft seine Geliebte im Hades. Mythisch Mikis Theodorakis’ Alexis Sorbas, und am Schluss versucht Beethoven in seiner Chorphantasie die Utopie einer allumfassenden Liebe. 

Bewertung: