Ute Lemper; Foto: Gregor Baron
Gregor Baron
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Philharmonie Berlin - Kammerakademie Potsdam und Ute Lemper – "Die sieben Todsünden"

Bewertung:

Die 30er Jahre mit ihren Krisen, dem Großstadttreiben, der rauschenden Kultur, der Kriegsdrohung – sie sind heute wieder sehr aktuell. Die KAP mit Antonella Manacorda präsentierten sich in Hochform, vielfältig waren die stilistischen und virtuosen Herausforderungen. Besonders bestachen an diesem Abend die Bläser und der Akkordeonist.

Eislers Kleine Sinfonie ist ein hinreißendes, fast filmreifes Abbild dieser Jahre, von der KAP trennscharf, mit rhythmischer Präzision und Drive interpretiert. Sie stimmte ein auf einen Lieder-Reigen der Großstadt, des Krieges und des Exils, und nicht zuletzt der Liebe.

Ute Lempers Interpretation ist überzeugend – oft aber zu gekünstelt

Ute Lemper interpretierte diese Lieder, perfekt von der KAP begleitet, mit großer Präsenz und Ausdrucksvielfalt. Letztere gleitet bei ihr allerdings auch häufig ins Manierierte, Zugespitzte, das gerade mit der Mikrofonverstärkung nicht immer die Balance im Raum hielt. Dass durch die Zugaben die Liebessehnsucht etwas die Oberhand gewann, war auch der vorher aufgebauten Thematik nicht unbedingt förderlich, aber das Publikum genoss es offensichtlich.

Zwischen Großstadt und Einsamkeit

Hindemiths Kammermusik Nr. 1 von 1922 zeigt den Komponisten von einer geschwindigkeitsberauschten, virtuosen, vielfältigen Seite. Zwischen Großstadt und Einsamkeit dreier Bläser ist ein großer Bogen gespannt, der bei Hindemith aber auch immer ganz kontrapunktisch ausgefeilt ist.

Wirkungsvoller Kontrast durch Hudson Shad

Bei Weills "Sieben Todsünden" kam noch das sehr überzeugende Männerquartett Hudson Shad hinzu, das einen wirkunsvollen Kontrast zu Ute Lempers etwas überdrehter Erzählung einer besorgten großen Schwester setzte.

Clemens Goldberg, rbbKultur

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