Karina Canellakis; © Mathias Bothor
Mathias Bothor
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Philharmonie Berlin - Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und Karina Canellakis

Bewertung:

Vorneweg: Es war ein sehr gutes Konzert! Aber die entscheidende Luft nach ganz oben fehlte. Warum?

Karina Canellakis agiert extrem körperlich, ausholend und energisch die Gesten. Leidenschaft ist spürbar. In Beethovens 7. Sinfonie muss sich aber diese Gestik spürbar aufs Orchester übertragen, muss hörbare Rhythmik zu physischer Übertragung in den Saal führen. Dazu muss das Orchester Vertrauen haben. Es hatte sehr viel Vertrauen in sich, was bis zu "sehr gut" führt.

Es sind dann aber weitere Faktoren, die ein "ausgezeichnet" verhindern. Die Übergänge, die Schaltstellen, die untergründigen Ströme. Wenn der Trauermarsch wunderbar fließend wird, darf der Rhythmus im Untergrund nicht schwach werden. Eine Pauke, die am Außenrand der Bühne sitzt, wird nicht die entscheidenden Impulse im Zentrum liefern können, sondern nur Synchronizität erreichen, auch nicht immer. Man könnte es noch fortführen.

Strauß' "Heldenleben" wird erst dann wirklich außergewöhnlich, wenn man die Brüche und die Melancholie dieses Helden – niemand anders als Strauß selbst – aufspürt. Erez Ofer spielt himmlisch schön Geige, aber die zickige, perverse Gattin des Komponisten blieb versteckt.

An keiner Stelle spürte man, dass Karina Canellakis Fragen an dieses Stück hatte. So blieb die große Lust am tollen Spiel, unbenommen.

Clemens Goldberg rbbKultur

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