François-Xavier Roth © Marco Borggreve
Marco Borggreve
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Philharmonie Berlin - Die Berliner Philharmoniker und François-Xavier Roth

Bewertung:

François-Xavier Roth steht für originelle Programme mit viel Hintersinn. So standen sich als Antipoden zwei Avantgardisten gegenüber, einmal in kleiner Besetzung, dann in größtmöglicher: Haydns 50. Sinfonie und Varèses "Arcana".

Die erforderlichen stilistischen und geradezu soziologischen Unterschiede setzten Dirigent und Orchester mustergültig und mit erkennbarer Spielfreude um. Haydns "Feuersinfonie" regte die Phantasie an, wo historische Kenntnisse noch fehlen: etwa ein nächtliches Ereignis voller Holterdiepolter, Schrecken, gemischten Gefühlen. Zwei zusammengehörige Mittelsätze, die verschiedene Seiten der Medaille zeigten. Und das sorglose Leben des Adels danach, bei einer Parforce-Jagd.

Was genau das "Allerheiligste" ist, das in Varèses Komposition angesprochen wird, bleibt etwas rätselhaft. Ist es der Siebte Stern des Kopernikus, von dem das Vorwort kündet? Auf jeden Fall ist das Stück auch heute noch, nach fast 90 Jahren, eine Herausforderung – auch für die Hörer. Sehr viel Lautstärke, sehr viel Schlagzeug, eher apokalyptisch als verheißungsvoll.

Pierre-Laurent Aimard (Bild: Marco Borggreve)
Bild: Berliner Festspiele/Marco Borggreve

In aller Klarheit

Als Brücke Bartók. Die folkloristisch inspirierte, aber auch sehr moderne Tanz-Suite, zehn Jahre vor Varèse komponiert, fordert höchste rhythmische Präzision, die erst im Schlusssatz erreicht war.

Als Verbindung zu Haydn, vom Solisten Pierre-Laurent Aimard auch ganz so interpretiert, das 3. Klavierkonzert. Wie heiter der schon des Todes bewusste Komponist war, wie innig das Geschenk an seine Frau. Das war in aller Klarheit und Poliertheit dargeboten, man hätte sich auch eine über den Rand gehende und extremere Deutung vorstellen können.

Wie sehr Aimard innerlich beteiligt ist, war allerdings auch schmerzlich anzusehen und vor allem mit lautem Stöhnen und Mitsingen zu hören. Eine merkliche Gefährdung der Botschaft, vor allem in der eigentlich so berührenden Kurtag-Zugabe.

Clemens Goldberg rbbKultur

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