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Pierre Boulez Saal - Staatskapelle Berlin | Leitung Oksana Lyniv

Bewertung:

Oksana Lyniv hat als Assistentin von Kirill Petrenko in München das nötige Rüstzeug, um ein sehr vielfältiges Programm im Boulez-Saal zu gestalten.

Erst im Verlauf gewinnt ihr Dirigat mehr persönliche Kontur. In Wagners Siegfried-Idyll setzt sie ganz auf Fluss, auf Schönheit. Man könnte fragen: ist es nur dieses Geschenk an Cosima oder gibt es da nicht doch mehr Kontraste? Der Kammerorchester-Teil der Staatskapelle spielt das berückend schön.

Weniger Fluch mehr Segen

Der Pianist Yury Shadrin ergreift vor Lisztst selten zu hörendem "Malédicition" (Fluch) Klavierstück mit Orchesterbegleitung zum Mikrofon und bittet um gute Aufnahme dieses ersten Orchesterversuchs des Komponisten. Es wäre nicht nötig gewesen, denn am beredtesten plädiert er am Klavier! Viel Fluch war da zwar nicht zu entedecken, aber sehr unterhaltsame romantische Filmmusik.

Ob Romantik wirklich Rettung ist?

Valentin Silvestrov befreite sich zunehmend von Atonalität im Laufe seines Komponistenlebens. In seiner Serenade, einem später überarbeiteten frühen Werk, kann man diesen Prozess in dauerndem Fluss verfolgen. Ob Romantik wirklich Rettung ist? Auch hier kam das fließende Dirigat trefflich zur Geltung.

Ein beschwingter Abend, der im Gedächtnis bleibt

Profkofievs "Klassische Symphonie" ist ein Hit, die überspitzten Themen bleiben gut im Gedächtnis. Hier wagten Orchester und Dirigentin mehr, zumal in diesem hautnahen Raum, bei dem jede kleine Ungenauigkeit sofort hörbar wird. Da sitzt man mittendrin, und geht beschwingt nach Hause.

Clemens Goldberg rbbKultur

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