Cuarteto Quiroga und Javier Perianes (2. v.r.); © Promo
Cuarteto Quiroga
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Konzerthaus Berlin - Cuarteto Quiroga & Javier Perianes

Bewertung:

Der spanische Geiger Manuel Quiroga erlitt 1937, im Alter von 46 Jahren, einen so schweren Unfall, dass er danach nicht mehr spielen konnte. Dennoch gilt er heute vielen spanischen Violinisten als Vorbild. So sehr, dass sich ein Streichquartett aus Madrid nach ihm benannt hat: das Cuarteto Quiroga.  

Das Quiroga Quartett besteht aus drei sehr lebhaften Herren, die es manchmal kaum auf den Stühlen hält, und einer eher ruhigen und freundlichen Cellistin. Der Boccherini-Konkurrent am spanischen Hof, Gaetano Brunetti, erwies sich als sehr unterhaltsamer Quartett-Komponist. Kleine Liebes-Stelldicheins und Unterhaltungen, eifersüchtige Wutausbrüche inklusive. Das wurde perfekt zum Leben erweckt.

Viel Kopfkino lief auch bei Ginasteras Quartett aus dem Jahr 1948. Wilde trampelnde Herden, Gauchos, nächtlicher Sternenhimmel, unendliche Ruhe und dann wieder pralle Energie, alles sehr vielfarbig. Das ist gewissermaßen das Herzstück des Quiroga Quartetts, das liegt ihnen perfekt.

Bei Brahms f-Moll Klavierquintett kam noch Javier Perianes hinzu, vom Temperament her sehr gut zum Quartett passend. Vieles klang spannend wie ein Krimi, allerdings traten auch Schwächen zutage, die dieses Quartett dann doch von der absoluten Spitzenklasse trennen. Vor allem klanglich wäre hier noch mehr möglich gewesen, auch die Intonation war nicht immer gegeben.

Dazu hat Perianes nicht gerade eine weite Farbpalette. Die einzelnen Episoden waren nicht immer in einen Gesamtverlauf spürbar eingepasst. Da fehlte sicher die Übezeit bzw. die Zeit, dass sich etwas setzen kann – in unserem Konzertbetrieb gänzlich ausgeschlossen.

Ein leichter Dämpfer für einen insgesamt sehr anregenden Abend.

Clemens Goldberg, rbbKultur

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