Cecilia Bartoli | Decca/ © Uli Weber
Decca/ © Uli Weber
Bild: Decca/ © Uli Weber Download (mp3, 4 MB)

Philharmonie Berlin - Cecilia Bartoli mit einem Farinelli-Programm

Bewertung:

Cecilia Bartoli ist nicht nur nach wie vor eine der führenden Mezzosopranistinnen, sondern weiß auch, wie man ein Publikum einen ganzen Abend lang auf musikalisch höchstem Niveau unterhalten kann.

Cecilia Bartoli singt gerne Konzeptprogramme. Diesmal war Farinelli dran. Der legendäre Kastrat wird immer mal wieder beachtet. Zweieinhalb Jahrzehnte ist die spektakuläre Verfilmung auch schon alt. Für die Sängerin ist das allerdings nur der Vorwand für einige der tollsten Arien des Spätbarocks.

Der Abend kommt allerdings auch pünktlich zum neuen Album, auf dessen Cover die Sängerin verkleidet mit Vollbart zu sehen ist. In einer Beilage zum Programmheft wird dann dafür auch entsprechend geworben mit "komponiert für einen Gott" – gemeint ist Farinelli, ein wirklicher Mega-Star des 18. Jahrhunderts, und "interpretiert von einer Legende", und damit ist Cecilia Bartoli natürlich selbst gemeint. Die PR-Maschine funktioniert.

Markenzeichen Attacke

Cecilia Bartoli spielt mit der Figur Farinelli, nicht nur weil sie im Laufe des Abends bestimmt ein halbes Dutzend mal ihr Outfit wechselt. Auch musikalisch beim ersten Ton hält sie diesen eine gefühlte Ewigkeit an, lässt ihn anschwellen und zurückgehen – eine Spezialität Farinellis – und das gefühlt ohne überhaupt Atem zu holen. Jeder andere wäre da längst blau angelaufen. Bei ihr ist das gerade einmal der Anfang.

Ihr Stimmtimbre ist immer noch nach wenigen Tönen eindeutig zu erkennen. Markenzeichen: Attacke. Wenn sie ihre Koloraturen herausschleudert, ist man früher in Deckung gegangen. Inzwischen hat es nicht mehr ganz die alte Durchschlagskraft. Aber das macht nichts – ihre Technik ist nach wie vor vollkommen da. Nichts verwischt, Ton für Ton knattert hervor. In den langsamen Arien ist dann noch eine größere Dichte hinzugekommen, von der man sich geradezu in den Sitz gedrückt fühlt.

Das ist eine kluge Entscheidung von ihr, sich inzwischen mehr und mehr auf die Barockmusik zu spezialisieren, da wird sie durch die kleineren Ensembles nicht übertönt und kann ganz ihre Gestaltungskraft ausspielen.

Garderobenständer und Schminktisch

Der Abend ist ansatzweise inszeniert: Ein Nicht-Musiker ist auf der Bühne, eine Art Lakai oder Diener im Gehrock. Er schiebt geräuschintensiv einen Geraderobenständer und einen auseinanderklappbaren Schminktisch auf die Bühne und assistiert Cecilia Bartoli beim Umkleiden. Das ist jedesmal ein Hallo, wenn sie anders gestylt wieder in die Mitte der Bühne zurückkehrt – vom schlichten schwarzen Kostüm bis zum feuerroten Kleid.

Musikalisch hätte Cecilia Bartoli dergleichen Albernheiten nicht nötig gehabt, aber sie ist auch eine Spielerin, die schon mal über die Bühne fegt. Und sie weiß, was ihr Publikum schätzt. Stehende Ovationen gibt es erst nach der ersten von drei Zugaben, wenn sie zu irrwitzigen Koloraturen so tut, als ob sie auf der Bühne raucht. Das hat schon Rampensauqualitäten.

Schellengeklapper und Donnerblech

Das Ensemble Les Musiciens du Prince-Monaco entstand von Cecilias Gnaden, sie hat es selbst gegründet – eben um ein eigenes Ensemble für ihre Barockkonzerte zu haben. Alle im Ensemble sind so spielfreudig wie sie. Bei einer Arie mit solistischer Barockoboe kommt der Spieler gleich nach vorne und ist auch sichtbar ihr Partner. Bei den rein instrumentalen Sinfonien, Ballettmusiken und Konzertsätzen können sich auch Trompete oder Flöte auszeichnen.

Das Ensemble spielt unter Leitung des unauffälligen Gianluca Capuano alles ein bisschen auf Effekt mit kräftigem Gebrauch von Vogelgezwitscher, Schellengeklapper und Donnerblech, aber Profis sind das allemal.

Das alles hat durchaus Unterhaltungswert. Der Abend ist mit zweidreiviertel Stunden deutlich zu lang – und er braucht diese granze Show, weil ein reines Absingen von Barockarien ohne das alles sicher zu eintönig und ermüdend gewesen wäre. Das alles abgezogen, bewegte sich das Konzert musikalisch jedoch auf höchstem Niveau.

Andreas Göbel, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Camille Saint-Saens: Samson et Dalila | Staatsoper Berlin | © Matthias Baus
© Matthias Baus

Berliner Staatsoper - Camille Saint-Saens: Samson et Dalila

Die biblische Geschichte von Samson und Dalila in der musikalischen Version von Saint-Saens ist bis heute ein Hit – das Werk gehört zu den berühmtesten französischen Opern überhaupt. Gesten Abend war Premiere an der Berliner Staatsoper mit Elina Garanca als Dalila und Daniel Barenboim am Pult. 

Download (mp3, 5 MB)
Bewertung: