Zubin Mehta © Oded Antman
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Philharmonie Berlin - Zubin Mehta und die Berliner Philharmoniker

Bewertung:

Eine Dirigentenlegende und zwei große Standardwerke. Das reicht aus, um einen Abend zu gestalten, mit dem man auch problemlos auf Tournee gehen kann, was die Philharmoniker dann auch tun werden.

"Don Quixote" von Richard Strauss und die "Eroica" von Ludwig van Beethoven. Das passt zusammen. Da ist bei Strauss der Ritter von der traurigen Gestalt, eine Art Anti-Held, während Beethoven in seiner Sinfonie zeitweise Napoléon im Sinn hatte, bevor der ihn so furchtbar enttäuschte. Das hätte ein verbindender Ansatz sein können, aber Zubin Mehta wollte vom wie auch immer gedachten Heldischen nicht viel wissen.

Mehta ist inzwischen 83. Wegen seiner Hüftprobleme braucht er einen Stock – den er aber, auf dem Podium angekommen, sofort über die Brüstung hängt und sich auf den hohen Stuhl setzt. Mit sparsamen, aber klaren Gesten zeigt er, dass 83 Jahre für einen Dirigenten kein Alter sind. Allein die Philharmoniker waren am Beginn noch nicht ganz da – da war einiges verwaschen und nicht zusammen. Erst als der Solo-Cellist Ludwig Quandt, der bei Strauss gewissermaßen den Titelhelden verkörpert, loslegte, alles an sich riss, wachten auch seine Kolleg*innen auf und spielten für ihn.

Schönklang zum Zurücklehnen

Eine Deutung gibt Zubin Mehta diesem Stück nicht mit auf den Weg. Sicher, Strauss hat einiges vorgegeben und von den Windmühlen über die Hammelherde bis zum angeblichen Ritt durch die Lüfte mit Windmaschine alles trefflich in Töne gesetzt. Man könnte es auch melancholisch deuten als die Geschichte eines alternden Helden, der nur noch in seiner eigenen Welt lebt.

Mehta spornt die Philharmoniker lediglich zu reinem Schönklang an, kehrt die grotesken Töne unter den Teppich. Da kann man sich zurücklehnen und den Schönklang dieses Spitzenorchesters genießen. Nichts dagegen – aber das Werk selbst hat er doch ziemlich unter Wert verkauft.

Alte Schallplatte

Das kann man auch mit Beethoven "Eroica" so anfangen. Zubin Mehta dirigiert Old School. Die sog. Historische Aufführungspraxis ist komplett an ihm vorbeigegangen. Er legt Wert auf seine gigantische Streicherbesetzung.

Gleich am Beginn mit den beiden markanten Auftaktakkorden hat man das Gefühl, dass da jemand eine alte Schallplatte mit einer Aufnahme aufgelegt hat, die mindestens siebzig Jahre alt ist. Sehr gemächliches Tempo, schwergängig, breit, massig. Da ist man irgendwie wieder mit der Postkutsche unterwegs.

Beethoven der Revolutionär – Mehta der Diplomat

Die Philharmoniker waren am Beginn noch nicht ganz einig, ob sie das Stück so spielen wollten. Die einen wollten mehr nach vorne, die anderen hatten schon verstanden, was Mehta wollte. Das gab ein bisschen Durcheinander, aber dann waren es eben doch wieder die Berliner Philharmoniker, die auch unglaublich flexibel agieren können. Und die entschieden haben: Wenn er das so hemmungslos antiquiert haben will, machen wir es halt möglich. Das war nicht Beethoven als Revolutionär, dafür eher mit Erhabenheit und Noblesse.

Lebensleistung

Auf Tournee wird das alles so gut funktionieren. Mit diesem Programm – und dazu noch Bruckners Achter – hat man drei sinfonische Schwergewichte, die auf der Japan-Tournee funktionieren werden, wobei ja ohnehin Tournee-Programme mehr Diplomatie als Radikalität benötigen.

Schon hier in Berlin wurde Zubin Mehta gefeiert – nicht so sehr für seine Interpretation, sondern eher für seine Lebensleistung. Und für Japan hat man eben eine weltweit geachtete Dirigentenlegende.

Andreas Göbel, rbbKultur

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