Berliner Philharmoniker und Daniel Harding mit Christian Gerhaher; © Monika Rittershaus
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Philharmonie Berlin - Berliner Philharmoniker mit Beethoven und Mahler

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Wenn Daniel Harding, Frank Peter Zimmermann und Christian Gerhaher aufeinandertreffen, kann man einiges erwarten. Hier wurde das Konzert zur Sternstunde mit bestens aufgelegten Künstlern.

Alle drei haben hervorragenden Kontakt zu den Berliner Philharmonikern: Daniel Harding war Assistent von Claudio Abbado zu dessen Zeiten als Chefdirigent des Orchesters, und längst ist er selbst gefühlt ständig am Pult dort zu erleben.

Frank Peter Zimmermann gastiert beim Orchester seit dreieinhalb Jahrzehnten. Sein Debüt gab er mit zwanzig beim Waldbühnen-Konzert. Und Christian Gerhaher war vor sechs Jahren dort Artist in Residence. Da herrscht ein hervorragendes Verhältnis.

Aus dem Orchester

Beethovens Violinkonzert – man hört es häufig, aber selten so wie hier. Das Stück hat eine lange Orchestereinleitung, und da steht der Solist meistens nur herum. Nicht so Frank Peter Zimmermann. Von Anfang an spielte er, wenn er nicht solistisch gefordert war, den Part der Ersten Violinen mit. Das war zu Beethovens Zeiten normal, heute erlebt man das allenfalls noch bei Originalklangensembles.

Für den Klang selbst hatte das keine Bedeutung, wohl aber für das Zusammenspiel mit dem Orchester. Schon mal äußerlich: Steht der Solist sonst oft weit vor dem Orchester und macht sein Ding, stand Zimmermann auf Höhe der Ersten Violinen, entwickelte seinen Solopart ganz aus dem orchestralen Verständnis, verklammert mit dem Ganzen. Schon rein äußerlich war das zu sehen, wie er sich oft zum Orchester umdrehte, um mit allen zusammenzusein.

Frech und unterhaltsam

Frank Peter Zimmermann hat bei Beethoven ganz auf die Gestaltung der Emotionen gesetzt: mal sehr intim, einfach nur auf die Melodie konzentriert, fast ein bisschen naiv, dabei aber sehr dicht. Da hatte man das Gefühl, der Geiger spielt nur für einen allein. Dann aber nutzte er alle Möglichkeiten des Konzerts, spielt die technischen Figuren sehr zügig und locker, geradezu lässig und mit frechem Augenzwinkern.

Das war hier ganz der Beethoven, der auf Effekt komponiert und sein Publikum herausfordert. Wenn im Rondo alles kurz mal anhält und der Solist einen kleinen Eingang zu spielen hat, nimmt Zimmermann ein winziges Motiv und spielt damit. Da steht er richtig vor dem Dirigenten wie ein Stoppschild und nimmt sich die Zeit. Alles nur fröhlich gespielt, aber so frech, so unterhaltsam, so kurzweilig hat man Beethovens Violinkonzert selten gehört.

Nichts für schwache Nerven

Frech und unbeschwert ist in Gustav Mahlers Liedern aus "Des Knaben Wunderhorn" eigentlich gar nichts, allenfalls sarkatisch. Da gibt es das naiv Volksliedhafte, aber auch die Kehrseite, wenn von Krieg, Hunger oder Tod die Rede ist. Furchtbare Lieder eigentlich, und Mahler tut alles dazu, den Horror mit Sarkasmus musikalisch auszumalen. Das ist nichts für schwache Nerven.

Christian Gerhaher ist dafür der ideale Interpret, ein intelligenter Ausdeuter mit böser Ironie in der Stimme. Wo es heißt: "Stehst du im Feld, so helf dir Gott" und der Zusatz "Wer's glauben tut", dann kostet Gerhaher diese zynische Seite geradezu aus. Man lacht, aber nur, um nicht zu weinen.

Dann ist aber endgültig Schluss mit lustig, wenn die Lieder folgen, die nur noch alptraumhaft daherkommen, wo etwa ein gefallener Soldat seine ebenfalls toten Kameraden weckt, damit sie als Skelette seiner Freundin ein Ständchen bringen. Gerhaher deklamiert das markant, mal erstickt, mal bricht es aus ihm heraus, dass einem das Blut in den Adern gefriert. Da musste man hinterher erst einmal tief durchatmen.

Berliner Philharmoniker und Daniel Harding mit Frank Peter Zimmermann; © Monika Rittershaus
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Idealer Begleiter

Ungewöhnliche Konstellation für ein Sinfoniekonzert: Bis auf den "Blumine"-Satz hatte Daniel Harding keine reine Sinfonik zu dirigieren. Aber so war er in seinem Element. Hat man bei reinen Orchesterwerken unter seiner Leitung mitunter das Gefühl, dass es ein bisschen erwartbar oder langweilig wird, war er hier als Begleiter von Geige und Sänger nahezu unschlagbar.

Wie Harding die beiden Solisten unterstützte, sie auffing, gewissermaßen das Sprungtuch gab, wo man immer sicher fällt, war beeindruckend. Auch wie er, ohne sich nach vorne zu spielen, mit dem Orchester die Atmosphäre einfing, ob naive Idylle oder brutale Militärmusik, das war eine große Leinwand als Hintergrund. Kurz: Bei diesem Konzertabend hat einfach alles gepasst.

Andreas Göbel, rbbKultur

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