Die Goldenen 20er Jahre im Admiralspalast © Christian Kleiner
Christian Kleiner
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Admiralspalast - Berlin Berlin. Die große Show der Goldenen 20er Jahre

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Allerspätestens seit der Serie "Babylon Berlin" wird das Berliner Nachtleben vom Ende der 1920er Jahre so richtig gefeiert. Die neue Show "Berlin Berlin", die am 19.12. im Admiralspalast Weltpremiere hatte, sattelt da drauf und präsentiert Größen wie Josephine Baker, Anita Berber, Marlene Dietrich und die Comedian Harmonists mehr oder weniger überzeugend.

Das Setting: Ein Nachtclub in den 20ern, ein 30-köpfiges Ensemble auf der Bühne, die Tänzerinnen und Tänzer geben die Clubbesucher, tanzen atemberaubend gut Charleston und Lindy Hop in verschiedensten Paarungen. Die Frauen sind leicht bekleidet, andere schon damals "genderfluid", ein Tänzer zum Beispiel halb Mann, halb Frau, eine Seite schwarzer Anzug und halber Schnurrbart, auf der anderen Seite ein halbes Kleid. Es wird gekokst und geflirtet und versucht, das wilde und erotische Berliner Nachtleben, den Tanz auf dem Vulkan, in kleinen Szenen wiederaufleben zu lassen.

Das Ganze zusammen hält der Conférencier, Admiral genannt, der das sündige, verruchte Berlin beschwört, was er und die anderen auf der Bühne dann in kleinen Szenen zu belegen versuchen. Zu oft allerdings einfach nur behauptet, nicht wirklich spürbar.

Musikalisch fast durchgehend eine Freude

Die hervorragende Live-Band im Bühnenhintergrund, das "Berlin Berlin Orchestra", spielt einen Hit nach dem anderen – nicht unbedingt immer genau aus den Endzwanzigern, der Hochzeit des "Tanzes auf dem Vulkan", aber es passt. "Bei mir bist du schön", "Money", "Mackie Messer", "Im Weissen Rössl", "lch wollt, ich wär ein Huhn", der sehr komisch dargebotene und mit dem Publikum zusammen gesungene "Lachfoxtrott" , "Ein Freund, ein guter Freund", die eigentliche Botschaft des Abends, und viele Hits mehr.

Musik und Tänzer*innen sind hinreißend, die Sängerinnen und Sänger teilweise auch. Wenn Sophia Euskirchen alias Anita Berber, die Femme Fatale des Berliner Nachtlebens, die mit 28 an Tuberkulose starb, "Life is a Cabaret" singt, dann ist das berührend. Genauso wenn Dominique Jackson alias Josephine Baker, die Nachtclubtänzerin mit dem Bananenrock, "Stormy Weather" oder andere jazzige Songs zum Besten gibt. Toll auch die Comedian Harmonists Doubles , die Lieder wie "Veronika der Lenz ist da" oder "Mein kleiner grüner Kaktus" überzeugend vielstimmig rüberbringen. Eine Fehlbesetzung hingegen Nina Janke als Marlene Dietrich, der die Laszivität einer Dietrich total abgeht.

Eine etwas bemühte Storyline

Im Gegensatz zu "Cabaret" oder "Frau Luna", den großen Erfolgen im Tipi, fehlt hier eine durchgehende Geschichte. Die Handlung ist dürftig, und teilweise recht bemüht. Die Witze leider zu oft flach, zwischendurch aber auch mal ganz lustig, wenn es zum Beispiel heißt: "Für Frauen brauchst du einen schlechten Charakter. Damit sie was zum ändern haben."

Gelungen ist die visuelle und musikalische Zeitreise ins Berlin der "Goldenen Zwanziger", die das Publikum, das am Premierenabend etwa zur Hälfte im originalen Zwanziger-Jahre-Outfit erschien, begeistert hat. Standing Ovations, sogar mal zwischendurch.

Am Schluss dann, das musste sein, kommen die Nazis. Der Club wird zugemacht, alles versinkt im Dunkel, nur die riesige Hakenkreuzfahne leuchtet rot. Und dann gibt es doch noch einen optimistischen Bogen zur Gegenwart und ein Happy End. Sonst hätte es auch nicht zu dieser Art von Wohlfühl-Tanzshow gepasst.

Andrea Handels, rbbKultur

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