Ensemble der Karajan-Akademie der Stiftung Berliner Philharmoniker; © Peter Adamik
Peter Adamik
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Kammermusiksaal der Philharmonie - Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker und Reinhard Goebel

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"Die Vier Jahreszeiten" - ungezählt sind die Einspielungen der berühmten vier Violinkonzerte. 1725, zum Zeitpunkt der Entstehung, hatte Antonio Vivaldi den Höhepunkt seiner Kompositionskunst erreicht und mit "Le Quattro Stagioni" demonstriert er das ganze Spektrum seiner Kunst. Reinhard Goebel und die Karajan-Akademie präsentieren den Konzertzyklus neben weiteren Konzerten des venezianischen Komponisten im Kammermusiksaal der Philharmmonie.

Die jungen Musiker der Karajan Orchesterakademie haben beste Aussichten auf einen guten Platz in einem führenden Orchester. Da gehört heute auch die Vertrautheit mit barocker Aufführungspraxis zum Grundbesteck. Von Marlene Ito wurde ein ausgedehntes Vivaldi-Programm einstudiert, der Barockexperte Reinhard Goebel war dann als letzte Inspiration und Dirigent eingesetzt.

Vivaldi ist ein wunderbarer Gestalter von Naturimpressionen, fantasievoll setzt er Instrumentenkombinationen ein, erfindungsreich in Texturen. Allerdings neigt er auch zu schier endlosen Sequenzen und Wiederholungen, die nur scheinbar immer gleich sind, aber leicht in den berüchtigten Nähmaschinen-Barock abgleiten können.

Da muss man schon sehr genau und detailreich arbeiten, mechanisches Abspulen vermeiden, Texturverdichungen nicht nur linear gestalten. In Ansätzen konnte man das hören, aber leider wurden die Gefahren oft nicht umschifft. Alle Musiker sind schon brillant auf ihrem Instrument. Dass man auf der Geige aber nicht immer Hochdruck produzieren muss und es keine Paganini-Konzerte sind (der das auch nicht immer verträgt…), das hatte man offenbar nicht verstanden.

Da nutzt auch die Verwendung von Barockbögen nicht viel. Das Grundprinzip des Barockkonzerts, nämlich das miteinander reden und streiten, war leider auch nicht häufig umgesetzt. Viel zu selten wurde mal eine leise und geheimnisvolle Passage geortet, entstand größere Freiheit, erkannte man Harmoniewechsel. Ja, das ist streng, aber das genau sollte man ja in der Akademie lernen.

Dann noch in der zweiten Hälfte die "Vier Jahreszeiten". Hier fühlten sich alle Beteiligten mehr zu Hause, man wagte auch mehr. Trotzdem wollte einfach eine richtige Atmosphäre der Jahreszeiten nicht entstehen. Reinhard Göbel liebt flotte Tempi, auch in langsamen Sätzen, das ist ungewöhnlich, aber nicht immer förderlich. Sein Dirigat in diesen Sätzen ist immer noch nervös pulsierend, als müsse man nur endlich wieder zu den tollen schnelleren Sätzen kommen.

Positiv in ihrem Gestaltungswillen fiel bei den vier geigerischen SolistInnen Kyoko Ogawa auf, zwar auch noch mit zu viel Volldampf, aber doch sehr differenziert. Und eine wunderbare Entdeckung steuerte Reinhard Göbel bei: zwei in der Staatsbibliothek versunkene ausgedehnte zeitgenössische Kadenzen zum Frühlingskonzert.

Clemens Goldberg, rbbKultur

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