Dschainah, Das Mädchen aus dem Tanzhaus © Iko Freese
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Komische Oper Berlin - "Dschainah. Das Mädchen aus dem Tanzhaus" von Paul Abraham

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Paul Abrahams Liebesabenteuer eines französischen Marineoffiziers mit einer Dschainah - der vietnamesischen Variante einer japanischen Geisha - entstand als Auftragswerk des Wiener Kaffee-Königs Julius Meinl II. für dessen japanische Frau Michiko Tanaka.

Eine Dschainah, das soll die vietnamesische Entsprechung einer japanischen Geisha sein: eine Dame im weiblichen Alleinunterhaltungsgewerbe des Landes. Das haben sich die Librettisten (Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda) allerdings nur ausgedacht. Mit dem Ziel, eine Art vietnamesische Operettenversion der "Madama Butterfly" von Puccini herzustellen.

Ein französischer Schriftsteller heiratet seine Dschainah, um sie vor dem Weiterverkauf nach Singapur zu retten. Muss nur noch eine Pariser Hochzeitsgesellschaft hinterherreisen, um den flüchtigen Schwiegersohn wieder einzufangen, und schon ist das Happy-end komplett. – "Dschainah" war seinerzeit nicht die einzige Exoten-Operette dieser Art. Sehr erfolgreich zuvor: "Die Geisha" von Sidney Jones. Schon damit lohnt sich die Wiederausgrabung.

Dschainah, das Mädchen aus dem Tanzhaus © Jan Windszus
Bild: Komische Oper / Jan Windszus

Große Operette

Gut 12 Operetten hat Paul Abraham komponiert. Um ihn von seiner besten Seite zu zeigen, wäre sicher "Die Blume von Hawaii" oder eine szenische Aufführung von "Viktoria und ihr Husar" zweckdienlicher gewesen. "Dschainah" immerhin, 1935 uraufgeführt als Auftragswerk für die asiatische Ehefrau des Wiener Kaffeeröster-Kings Julius Meinl, ist immerhin eine "Große Operette". Hier liegt der Hase im Pfeffer. Das Thema verlangt nach opulenter Ausstattung, großen Tanzszenen und Luxus-Revue – und nicht nach einer konzertanten Trockenlegung. Stattdessen haben wir hier ein (zu) lautes Orchester sowie einen Erzähler in Gestalt des Schauspielers Klaus Christian Schreiber – der den Witz des Stückes sucht, aber nicht so recht finden kann. Es bleibt eine Spur zu steif.

Zazie de Paris als Gaststar

Gast-Star Zazie de Paris gehört – als transsexuelle Tänzerin und Ex-Stripperin – seit den großen Tagen von Peter Zadek zum heiligen Inventar der Berliner Szene. Als Madame Cliquot (rundheraus: Veuve Cliquot) ist sie mit grünem Strass und dunkelgrünen Federboas ausstaffiert wie ein Berliner Weihnachtsbaum. Eine elegante Puffmutter der Nation – wie schön! Zazie de Paris hat genau zwei Gesten und drei Töne. Die aber sitzen! Sie ist damit ein Hauptgewinn.

Die Hauptrolle dagegen ist sensationell gut besetzt mit der südkoreanischen Sopranistin Hera Hyasang Park: zerbrechlich und charismatisch vom gebrannten Seitenscheitel bis zu den Lotusfüßchen. Großartig! Auch sonst muss man zugeben: Ein Hoch auf ein Haus, dass selbst das Buffo-Paar mit Talya Liebermann und Dániel Foki besetzen kann. Letzterer mit ordentlichem Gulaschsaft im Tenor.

Abrahams Werken fehlt es nicht an Qualität

Damit ist die Paul Abraham-Serie an der Komischen Oper (mit "Ball im Savoy", "Roxy und ihr Wunderteam" etc.) nun zu Ende. Dieses Werk ist gewiss besser als man es sieht. Den Haupthit "Ohne Liebe kann ein Herz nicht glücklich sein" pfiff ich noch vor mich hin, als ich schon wieder zuhause war. Der andere "Ich möcht so gern dich küssen / Doch weiß ich noch nicht wo" ist sogar reichlich anzüglich. Allen Werken Abrahams fehlte es nicht an Qualität, sondern nur an Protagonisten, die sie nach 1933 hätten berühmt halten können  - als dieser Faden abriss. Die Reihe mit Operettenausgrabungen wird ab 2020 fortgesetzt mit Werken von Jaromir Weinberger. Weiter so.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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