Musikfest Berlin 2019/ Jonas Holthaus: Rundfunkchor Berlin
Musikfest Berlin 2019/ Jonas Holthaus
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Berliner Dom - Weihnachtskonzert

Bewertung:

Das Berliner Weihnachtskonzert des Rundfunkchors im Berliner Dom ist längst eine schöne Tradition geworden – in diesem Jahr mit einem rein britischen Programm mit Werken von Judith Weir, Matthew Martin, Judith Bingham und Owain Park. Clemens Goldberg hat das Konzert in der riesigen Kuppelhalle gehört.

Der Prunk und Protz des Berliner Doms ist sicherlich erst einmal eine Antithese zur Weihnachtsgeschichte. Da hilft dann der im Raum verteilte Rundfunkchor in Judith Weirs "Drop down, ye Haevens", in einen magischen Zustand zu kommen. Dann tritt noch in Matthew Martins "O Oriens" die Sauerorgel immer mächtiger hinzu. Fast ein Wunder ist die Abstimmung der Orgel (Domorganist: Andreas Sieling), mit dem Chor über allen Hall hinweg und hindurch.

Englische Komponisten schöpfen seit je von einer traditionellen Kompositionskunst, die nicht gerade Avantgarde ist. So auch die Uraufführung des jungen Komponisten Owen Park, der sehr fein und sehr zurückhaltend das "große Mysterium" der Gottesgeburt besingt. In Ralph Vaughan Williams' Messe ist dann der Chor ganz allein zu hören: Man kann seine Kunst fast mit einem luxuriösen Bentley vergleichen.

Benjamin Goodson – noch Assistent von Gijs Lennaers, demnächst Chef des Niederländischen Rundfunkchors – leitet sehr zurückhaltend und effektiv durch die vielen Farbschattierungen, Lichteinfälle und großen Steigerungen. In den letzten Jahren hat der Chor noch an Tiefe und Komplexität gewonnen, auch im piano ist da sehr viel Substanz zu hören.

Insgesamt ein wunderbar stimmiges Konzert, das nicht nostalgisch schwelgend, sondern fein und vielschichtig Festtagsstimmung entstehen ließ.

Clemens Goldberg, rbbKultur

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