Dmitri Kitajenko, Dirigent; © dpa/PIXSELL/Nina Djurdjevic
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Konzerthaus Berlin - Konzerthausorchester Berlin unter Dmitrij Kitajenko

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Ein komplett russischer Abend im Konzerthaus Berlin mit russischen Komponisten, russischem Dirigenten und russischer Solistin. Und man hat erfahren können, warum Tschaikowskys "Manfred"-Sinfonie zu Recht eher selten aufgeführt wird.

Dmitrij Kitajenko war fünf Jahre lang erster Gastdirigent des Konzerthausorchesters Berlin. Und auch jetzt spielt das Orchester erkennbar gerne unter seiner Leitung. Das ist absolut sicher, Kitajenko hat am Pult alles im Griff, dirigiert sehr genau, keine Bewegung zu viel, handwerklich ist alles ausgezeichnet.

Allerdings ist der Dirigent nicht unbedingt ein begnadeter Antreiber und Motivator. In vier ausgewählten Stücken aus Sergej Prokofjews "Romeo und Julia"-Ballett ging es ziemlich schwer und gewichtig zu. Das ist bei den verfeindeten Familien auch nicht falsch. Allerdings wirkte das eigentlich so springlebendige Stück "Julia als Kind" eher müde, als wäre Julia mit dem falschen Fuß aufgestanden…

Keine Stimmungskanone

Peter Tschaikowskys "Manfred"-Sinfonie steht eher selten auf den Konzertplänen, jedenfalls nicht zu vergleichen mit den beliebteren Sinfonien 4 bis 6. Eine Nummer hat das Werk nicht bekommen – es tendiert auch eher in Richtung Sinfonische Dichtung. Und es wurde klar, warum das Werk eine solche Rarität ist.

Nun war Tschaikowsky grundsätzlich nicht gerade das, was man eine Stimmungskanone nennt. In dieser "Manfred"-Sinfonie ist jedoch alles noch einmal besonders deprimierend. Der Anti-Held Manfred in Lord Byrons dramatischem Gedicht ist mit der Welt durch, und das breitet Tschaikowsky fast eine ganze Stunde lang genüsslich aus.

Träge und quälend

Dmitrij Kitajenko hat diese Negativ-Stimmung fast noch schlimmer und quälender gemacht. Der erste Satz schleppt sich träge dahin, und wenn es mal bewegter wird, dann gleich besonders massiv. Das Konzerthausorchester spielt das alles auf ausgezeichnetem Niveau mit sattem Streicherklang und durchaus pointiert auftretenden Bläsern. Aber was hilft das alles, wenn vom Dirigenten kaum echte Impulse kommen.

Selbst dort, wo es ein wenig freundlicher wird: im Scherzo mit Alpenfee am Wasserfall mit Regenbogen – da klingt es so lustlos, als wenn die Alpenfee routiniert zum 100. Mal eine Touristengruppe da durchführt. Auf dieses Werk lässt sich jetzt wieder eine ganze Weile gut verzichten.

Freundlichkeit in Person

Die entsetzlich gedehnten Tempi des Dirigenten – keine einfache Voraussetzung für die Solistin in Tschaikowskys Rokoko-Variationen. Zumal Anastasia Kobekina mit 25 noch sehr jung ist. Es ist gar nicht mal so lange her, da war sie hier im Programm in der Reihe "Die Absolventen" zu hören, als sie noch an der UdK hier in Berlin in der Klasse von Jens Peter Maintz studiert hat.

Ihr Spiel ist hier die Freundlichkeit in Person. Das passt auch gar nicht schlecht zu diesen Variationen. Das ist eben nicht der düstere Tschaikowsky, sondern tatsächlich etwas irgendwie Rokokoartiges. Der intime Rahmen gelingt ihr hervorragend, auch die großen Melodien. Technisch kann sie alles sehr entspannt nehmen, das glückt ausgezeichnet. Und sie scheint sich sogar über die große Ruhe zu freuen, die der Dirigent in das Stück bringt.

Einzig ein wenig Abwechslung fehlt hier. Das ist alles geschmackvoll und angemessen, bleibt aber doch zu sehr auf einem Ausdruckslevel. Was sie darüber hinaus zu bieten hat, zeigte sie in ihrer Zugabe.

Anastasia Kobekina
Bild: Evgeny Evtyukhov

Ihr Lieblingskomponist

Als Zugabe: kein Bach, glücklicherweise. Nichts gegen die Cellosuiten von Bach – das sind Gipfelwerke. Aber dass die so oft als Zugabenstücke missbraucht werden, das muss nicht sein. Anatastia Kobekina spielte also etwas anderes, und zwar Musik von ihrem Lieblingskomponisten, wie sie sagte. Und einschränkend fügte sie gleich hinzu, dass sie da nicht objektiv sei.

Das wohl sicher nicht, denn es gab Musik ihres Vaters. Vladimir Kobekin ist hierzulande eher wenig bekannt, und das Stück für Cello solo, das Anatasia Kobekina spielte, war eher geschickt und effektvoll komponiert, leicht folkloristisch angehaucht. Aber hier konnte sie auch mal ihre Ellenbogen ausfahren, Krallen zeigen und Akzente setzen. Das hat Spaß gemacht.

Andreas Göbel, rbbKultur

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