"Pierre-Boulez-Saal"; © rbb/Carsten Kampf
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Pierre Boulez Saal - Quartetto Teatrale

Bewertung:

Das noch junge Streichquartett der Staatskapelle Berlin spielt Streichquartette großer Opernkomponisten und zeigt dabei seine Qualitäten im Zusammenspiel, aber auch manches, was der Formation noch an Gestaltungskraft fehlt.

Das Streichquartett der Staatskapelle Berlin besteht aus den vier Stimmführern der jeweiligen Gruppen. Das hat natürlich seinen Reiz. Alle kennen sich, haben durch das Orchester eine gemeinsame Klangkultur, versehen das Streichquartettspiel aber im Gegensatz zu reinen Streichquartettformationen gewissermaßen als Freizeitbeschäftigung neben ihrem normalen Orchesterdienst.

Über dem Boden schwebend

Seit gut drei Jahren existiert diese Formation. Das ist für ein Streichquartett noch gar nichts, normalerweise hat man sich nach zehn Jahren erst wirklich gefunden. Allerdings kennt man sich aus der Staatskapelle eben länger, und so hat man bereits einen gemeinsamen Klang und eine Feinabstimmung, die im Bereich des Zusammenspiels kaum Wünsche offen lässt.

In Mozarts spätem B-Dur-Quartett finden sich alle vier zu einem filigranen Netz zusammen, fast körperlos klingt das, immer wenige Zentimeter über dem Boden schwebend. Da ist man sich durchaus einig und harmoniert miteinander.

Beste Unterhaltung, aber…

Mozart ist für jedes Streichquartett ein Prüfstein. Und mit diesem zweiten der sogenannten Preußischen Quartette hat man sich ein ziemlich heikles Werk ausgesucht. Hier gibt es wenig Neues, das ist angenehm, harmonisch, beste Unterhaltung. Aber das macht es eben auch so schwer, wenn es mehr sein will als das.

So hervorragend das Zusammenspiel ausfiel, so sehr fehlte doch die Substanz. Alles bewegte sich auf einer freundlichen Ebene. Zweifel, Kontraste, Fragen jedoch – Fehlanzeige. Und das ist für 25 Minuten doch etwas wenig. Man hat hier sehr gemerkt, dass das nicht gerade Mozarts allergenialstes Stück ist. Andere Quartette können das bisweilen besser überspielen, hier war es Langeweile auf hohem Niveau.

Quartette von Opernkomponisten

Was wollte eigentlich der Titel "Quartetto Teatrale"? Nun, alle vier Komponisten dieses Abends – Mozart, Verdi, Puccini, Tschaikowsky – haben große Opern geschrieben. Und alle haben auch Streichquartette zu Papier gebracht.

Netter Gedanke – aber die Unterschiede liegen auf der Hand: Mozart war ebenso einer der wichtigsten Quartettkomponisten, Tschaikowsky hat immerhin drei wunderbare Streichquartette hinterlassen. Bei Verdi und Puccini sind das aber dann doch eher Gelegenheitsarbeiten.

Zu wenig Butter

Schön sind die Quartette von Puccini und Verdi trotzdem. Gerade die kurzen „Crisantemi“ von Puccini sind eine Trauermusik voller Erhabenheit. Warum klingt das hier dann aber so ausgemergelt? Ein bisschen mehr Schmelz, gerne auch etwas Kitsch, vor allem mehr Butter hätte dieser doch so ergreifenden Musik gut getan.

In Verdis einzigem, bisweilen böse kniffligem Streichquartett zeigte sich die fehlende Routine dieses jungen Streichquartetts. Das war oft sehr vorsichtig, man merkte, dass viel Energie auf das Zusammenspiel verwendet werden muss. Da fehlt der Platz für eine wirkliche konzeptionell durchdachte Interpretation. Manche Momente hatten Wärme und zupackende Kraft – ein Ganzes war dennoch nicht zu erkennen.

Geht doch

Warum machen so viele Streichquartette einen Bogen um Peter Tschaikowsky?! Gerade sein erstes Quartett ist dicht, freundlich und voller entwaffnender echter Schönheit. Und es wirkt! Das Streichquartett der Staatskapelle schien da plötzlich herausgefordert zu sein – und hat diese Herausforderung auch angenommen. Da konnten und wollten sie es plötzlich einfach mal genießen, waren nicht mehr vier Instrumente, die geschickt zusammenkommen, sondern ein einziges großes Streichinstrument mit 16 Saiten.

Alles Brave, Nette, sorgfältig Geprobte, kurz: die ganze Langeweile war weg. Da gab es einfach großartige Musik, voller Hingabe gespielt. Egal, dass da auch mal was danebenging. Hier waren alle vier wirklich mutiger, und es hat sich ausgezahlt: Es gab echte Musik. Und einen Weg, auf dem sie nur einfach weitergehen müssen, um wirklich ganz groß zu werden.

Andreas Göbel, rbbKultur

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