Thomas Pigor und Benedikt Eichhorn - Vol. 9; © Thomas Nitz
Thomas Nitz
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Bar jeder Vernunft - Pigor & Eichhorn: Das Neujahrskonzert

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Das Neujahrskonzert der beliebten Musikkabarettisten Pigor & Eichhorn hat Tradition. Zusammen mit ihrer gut gelaunten Band läuten sie das noch jungfräuliche Jahr ein. Wieviel Spaß das macht, verrät Kritiker Kai Luehrs-Kaiser.

Programme des Duos Pigor & Eichhorn erscheinen normalerweise zweijährlich und buchhalterisch nummeriert. Man hält gegenwärtig bei Vol. 9. Erkundigt man sich bei den beiden nach bestimmten Hits, die sich im Laufe der letzten 20 Jahren angesammelt haben, z.B. "Hitler, das Aftershave" oder "Nieder mit IT!", so sagen sie oft: "Die gehen nur mit Band!" Der Sinn der Neujahrskonzerte, hier zum sechsten Mal, besteht also darin, mit zwei E-Gitarren und Schlagzeug (zusätzlich zu Benedikt Eichhorn am Klavier) etliche Querschläger, Evergreens und Greenagains wieder aufzunehmen. Die Vorstellungen sind ausverkauft.

Upgrade-Verfluchte aller Länder, vereinigt Euch! Erstaunlich ist, wie wenig sich in puncto "Nieder mit IT!" seit 2005 verändert hat. Immer noch bringen Verschrottungs-Sucht, Kabelsalat und der Fluch des Pop-up-Fensters uns User zur Weißglut.

Auch jüngere Hits erklingen, z.B. "Lasst die Gastgeber machen" – über die Unsitte von Gästen, den eigenen Wein mitzubringen und in der Küche, wo sie zwanghaft helfen, Chaos zu stiften. Einige Songs waren längst eingemottet, werden aber ungeahnt wieder aktuell. Etwa: "Wenn der erste Bundeskanzler Kevin heißt". Ist wieder da.

Eiskalte Mitmachnummern erhöhen den Lehrgehalt. Beispielsweise das "Namensreflexverfahren". Ein Vorname wird genannt: Wolfgang Amadeus ... Der Saal antwortet unisono. Ich hätte nicht gedacht, dass bei anderen Vorgaben zwischen Ost und West große Unterschiede bestehen. Bei "Pablo" sagen Besucher aus dem Westen: "Picasso", aus dem Osten: "Neruda". Bei "Sigmund" schwankt das Land zwischen "Freud" auf der einen Seite und "Jähn" auf der anderen.

Zwei ältere Herren mit Bauchansatz können nur schwerschrittig über die Bühne steppen wie weiland Joe Cocker. Also hängt viel am Text. Bemerkenswert, wie gebannt, ja beglückt man sich darauf einlässt. Um was Feierliches zu sagen: Das einzig Gute am Nobelpreis für Bob Dylan war ja, dass man Leute, die besser sind, jetzt umso höher hängen darf. Die beiden sind besser.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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