Fazil Say, 2016; Foto: © Marco Borggreve
Marco Borggreve
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Konzerthaus Berlin - Academy of St Martin in the Fields und Fazil Say

Bewertung:

Es ist erst einmal ein Gegensatz: die äußerst gepflegt und in reinster englischer Tradition sehr diszipliniert spielende Academy-of-Saint-Martin-in-the-Fields und der sehr temperamentvolle, eher improvisierend und spontan musizierende Fazil Say.

Ideal kam man in Mozarts durchweg sonnigem, sehr spielerischen A-Dur Konzert zusammen. Say bewegte sich wie in einem riesigen Spielzeuggeschäft, manchmal konnte er auch das Ensemble mit spontaner Kindlichkeit anstecken.

Says temperamentvolles Spiel

Says Komposition "Silk Road" lockte das Ensemble etwas mehr aus dem sicheren Kokon. Allerdings ist die Komposition trotz präpariertem Klavier und einem originellen dauernden Basston Cis ein eher schlicht gestricktes Stück. Die auf dem Weg aufgegriffenen Musikzeugnisse aus Tibet, China, Mesopotamien und der Türkein bleiben sehr erwartbar verarbeitet. Nur Says temperamentvolles Spiel bringt etwas Faszination mit in das Hörerlebnis.

Sehnsucht nach einer heilen Welt

Michael Tippetts "Kleine Musik" aus dem Jahr 1946 ist frappierend zärtliche, apollinische Musik, mit sanften Fugen und freudigen Außensätzen. Das war mit dem typischen Streicherklang der Academy idealtypisch für das Ensemble. Offenbar war hier Sehnsucht nach einer heilen Welt nach den Zerstörungen des Krieges am Werk.

Nur Mut

Ganz anders Bartóks "Divertimento", kurz vor seiner Emigration in die USA in der idyllischen Schweiz komponiert. Hier gerät die Folklore in den Strudel der Vorahnungen. Erst im dritten Satz erreichte die Academy die nötige innere Intensität, die emotionale Beteiligung, die den Briten eher weniger liegt. In diesem letzten Satz sollte eigentlich die Zukunft dieses sehr traditionsreichen, aber auch traditionellen Ensembles liegen. Ich wünsche den Mut dazu!

Clemens Goldberg, rbbKultur

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