Iván Fischer, Konzerthaus 2013 Berlin, Foto: Marco Borggreve
Marco Borggreve
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Konzerthaus Berlin - Konzerthausorchester mit Beethoven und Strauss

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Zwei Standardwerke – und zwei Welten. Während Nikolaj Szeps-Znaider Beethovens Violinkonzert eher routiniert absolviert, zaubert der Konzerthaus-Ehrendirigent Iván Fischer Strauss "Zarathustra" in köstliche Klangdimensionen.

Vergleiche können mitunter hart ausfallen. Da hat vor einem guten Monat Frank Peter Zimmermann mit den Berliner Philharmonikern Ludwig van Beethovens Violinkonzert in einer Trauminterpretation gespielt. Man saß auf der Stuhlkante und wollte kaum glauben, wie man dieses vielgespielte Werk so herausfordernd neu, präsent und in jeder Hinsicht aufregend interpretieren kann.

Die Schwierigkeit besteht darin, dass man dieses für Beethovens Verhältnisse relativ wenig dramtische Werk über eine Dreiviertelstunde mit einem überzeugenden Spannungsbogen versehen muss, der sich vordergründig aus der Musik nicht unbedingt sofort herstellt.

Nichts brennt an

Nikolaj Szeps-Znaider ist als Geiger (inzwischen dirigiert er auch verstärkt) schon lange im Geschäft, und mit diesem Standardwerk von Beethoven hat er nicht die geringsten Probleme. Er hat das alles etwas ruhiger und kontemplativer genommen, hier und da mal in kleine Details hineingehorcht und ansonsten nichts anbrennen lassen.

Er verfügt über einen zuverlässigen angenehmen Geigenton: dicht und warm wie ein sanfter Frühlingswind, angenehm und entspannend. Man weiß schnell, was man bekommt – das reicht aber hier nicht. Gerade über diese lange Distanz braucht es mehr Feinzeichnung, eine größere Nähe. Man muss das Gefühl haben, beim Hören an die Hand genommen zu werden.

Kultivierte Langeweile

Das hier war solide Routine, eine Sicherheit ob dieses vielgespielten Werkes, dass nichts passieren kann. Es passierte aber leider auch im doppelten Sinne nichts. Alles war in Ordnung, aber kaum mehr. Das Ergebnis war kultivierte Langeweile. Dann doch auch im Beethoven-Jahr lieber einmal Beethovens Violinkonzert weniger als so.

Auch Iván Fischer hat am Pult des Konzerthausorchesters wenig beigesteuert und eher alles sauber durchdirigiert. Hier mal ein Akzent, da ein kleiner Kontrast – mit wenig Aufwand hat er das begleitet. Hat er ob der glatten Wiedergabe des Geigers das Interesse verloren?

Stimmungswechsel

Bei Richard Strauss' "Also sprach Zarathustra" muss man dann allerdings wirklich Farbe – sprich: Klangfarbe – bekennen. Und Iván Fischer hat dann auch sehr schnell klargemacht, dass er hier einen ganz anderen Ehrgeiz investieren wollte. Der gigantische Beginn mit Sonnenaufgang (diese 1 ½ Minuten kennt jeder, die restlichen 33 ½ Minuten weit weniger…) waren erwartbar gleißend, dann hat Fischer aber sofort kontrastiert.

Gleich gab es eine viel intimere Stimmung, man hatte das Gefühl, das Licht würde abgedimmt, der Saal schien sich in ein Wohnzimmer zu verwandeln, etwas behaglich, mit prasselndem Kamin. Aber das auch nur fast. Immer hatte das ein angedeutetes Lächeln im Mundwinkel. Diese Stimmungswechsel gelangen Iván Fischer grandios.

Musikentertainer und Orchestermagier

Richard Strauss brauchte Nietzsches "Zarathustra"-Vorlage vor allem, um seine Phantasie in Gang zu setzen. Mit großem Orchester war Strauss ohnehin in seinem Element: Da dröhnen die Blechbläser, zwitschern die Flöten. Und es gelingt. Der "Tanzlied"-Walzer könnte schöner auch nicht von den Wiener Philharmonikern im Neujahrskonzert gespielt werden.

Vor allem haben alle Spaß an der Übertreibung. Der Schluss wird von Iván Fischer geradezu zelebriert. Da säuseln die Flöten ein himmlisch vergeistigtes menschbezogenes H-Dur, während Celli und Bässe das naturbezogene C ganz trocken zupfen, als wüssten sie da schon, dass sie das letzte Wort behalten. Iván Fischer hat den Musikentertainer und Orchestermagier Strauss hervorragend verstanden.

Und das Konzerthausorchester präsentierte sich hier in Bestform – als Einheit mit klanglicher Flexibilität, wo der Dirigent nicht alles vorgeben muss, weil das Orchester vieles selbst in seinen Reihen regelt. Die Mischung aus erfahrenen und jungen Mitgliedern geht wunderbar auf, schön zu hören.

Andreas Göbel, rbbKultur

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