Christoph Eschenbach; Foto: Gregor Baron
Gregor Baron
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Konzerthaus Berlin - Christoph Eschenbach dirigiert das Konzerthausorchester Berlin

Bewertung:

Am 20. Februar wurde er 80 Jahre alt: der Pianist und Dirigent Christoph Eschenbach. Beim "Geburtstagfest für Christoph Eschenbach" stand der Chefdirigent selbst am Pult seines Konzerthausorchesters und dirigierte Brahms' dritte Sinfonie und die "Sinfonie für Klavier und Orchester" - mit Tzimon Barto. Eine Konzertkritik von Clemens Goldberg.

Eigentlich passte hier alles. Brahms’ 3. Sinfonie und das 2. Klavierkonzert zeigen den Komponisten auf dem Höhepunkt seiner Fähigkeiten, bieten Stoff zu interessanten Einblicken und Erfahrungen. Christoph Eschenbach sieht sich sicherlich in einer ähnlichen Lage an seinem 80. Geburtstag. Dazu ein Orchester, dessen traditioneller Klang sich besonders für Brahms eignet.

Enttäuschend

Leider wurde dieser Anspruch nicht eingelöst. Nur die Bläser boten die gewohnte Leistung. Der Streicherklang war nicht wie gewohnt zu erkennen, vieles ging schief. Da ließ man es einfach laufen, Eschenbach dirigierte lässig auch wenn man die Zügel hätte drigend in die Hand nehmen müssen. Hier wurden weder Fragen gestellt noch Einblicke geboten, enttäuschend. Dazu noch ein sehr gedehnter Zugang, den ich schon für ausgestorben hielt. Auch Tzimon Barto konnte es erst einmal nicht herausreißen. Grundsätzlich ist gegen das Spielen von Noten nichts einzuwenden, aber wenn es verhindert, dass der Solist mit dem Orchester wirklich dialogisiert, eine Grundvoraussetzung vor allem in diesem Stück, wenn er ganz mit sich und den Noten beschäftigt ist, dann ist es eben doch erwähnenswert.

Eine Warnung

Dazu noch ein furchtbar intonierter Flügel, das scheint jetzt Usus zu werden. Erst das Cellosolo von Friedemann Ludwig ließ wirkliches Musikmachen aufkommen. Hier war man endlich auf einem Niveau angekommen, das wirkliche Souveränität ermöglicht. Der letzte Satz dann sehr gelöst und auch wie erlöst. Angesichts der großen Konkurrenz anderer Orchester muss man die Augenhöhe immer wieder erarbeiten. Eine Warnung!

Clemens Goldberg, rbbKultur

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