Beatrice Rana; © Simon Fowler/Parlophone Records
Simon Fowler
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Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin - Beatrice Rana

Bewertung:

Beatrice Rana ist, mit Preisen und Lob überhäuft, gerade mal 27 Jahre alt. Ihr Programm aber zeugt von Reife und geistiger Auseinandersetzung, ist anspruchsvoll in jeder Hinsicht.

Es ist auch mit technischen Höchstanforderungen gespickt. Diese bewältigt die Pianistin fast mit Links, immer gut durchhörbar, mit vielen Facetten und gut gestaltet. Und doch: Schon in Bachs Italienischem Konzert fallen die harten, stählernen Akkorde auf, auch die Höchstgeschwindigkeit, die nicht unbedingt musikalisch erforderlich ist. Der langsame Satz ist schön gestaltet, meditativ, aber lässt doch merkwürdig kalt.

Schumanns Klavierkonzert ohne Orchester ist ein Aufschrei der Wut und der Verzweiflung, auch eine Hommage an Clara, deren Andantino zu Variationen verarbeitet wird, die immer düsterer werden. Dazu noch ungeheuerlich schwierige Klavierpassagen. Alles ist da, alles ist hörbar. Aber die Poesie ist nicht zu erzwingen, die Emotion bleibt trotz aller Bewunderung aus.

Die unangenehme Schärfe des auch merkwürdig intonierten Flügels wird in Albeniz' Schilderung spanischer Städte und Tänze zum echten Problem. Immer wenn es laut wird, ist es hart und stählern. Parfum, Raffinesse wären hier wichtig. Sie gehen in Lautstärke und Schärfe unter.

Vollends greift diese Lautstärke und der Stahlklang Petrushka an, eigentlich eine Gliederpuppe, die außer Kontrolle gerät. Das Puppenhafte, auch Humorvolle – es ist immer in Gefahr, angesichts der enormen Klangereignisse, die in der Partitur stecken. Bei Beatrice Rana ist dies allzu oft einfach brutal.

Eine brillante Künstlerin, intelligent, ernsthaft, mit vielfältigem Spiel. Trotzdem: Das größte Geheimnis der Musik, das Erzeugen und Vermitteln von Emotion, bleibt ihr noch verschlossen.

Clemens Goldberg, rbbKultur

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