Staatsoper Berlin: Der Rosenkavalier, hier: Camilla Nylund in der Rolle der Feldmarschallin Fürstin Werdenberg; © imago-images/Stefan Zeitz
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Staatsoper Berlin - "Der Rosenkavalier"

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Richard Strauss suchte für seine Oper "Der Rosenkavalier" nach einem leichteren, heiteren Stoff im Stil von Mozarts Opernkomödien. Dafür wurde er von Hugo von Hofmannsthal unterstützt. Gestern fand  Premiere des "Rosenkavaliers" unter musikalischer Leitung von Zubin Mehta statt.

Gemessen am indifferenten Tohuwabohu, mit dem man den Regie-Novizen André Heller entkommen ließ, muss dieser "Rosenkavalier" als Publikumserfolg verbucht werden. Man fühlte sich wohl geschmeichelt von so viel Prominenz. Lassen wir die Kirche im Dorf: Schlimmer als eine hergelaufene Marelli- oder Bechtolf-Inszenierung eines Strauss-Werkes war das nicht.

Nicht besonders souverän umgesetzt

Bis auf den Deutungsansatz. Heller lässt das Werk 1917 spielen (sechs Jahre nach der Uraufführung). Weltkrieg kommt nicht vor. Umso mehr Jugendstil. Faninal wohnt im Gebäude der Wiener Secession, wo ihm Gustav Klimt persönlich seinen Beethoven-Fries an die Wand geworfen hat. Das Beisl im 3. Akt ähnelt dem Palmenhaus hinter der Hofburg – mit orientalischem Zelt und Sitzkissen. Schließlich lebt André Heller teilweise in Marokko. Leider hat weder damit noch mit dem Jugendstil das Werk von Strauss und Hofmannsthal das Geringte zu tun. Dient nur als Dekorvorwand – und ist da nicht mal besonders souverän umgesetzt. (Ausnahme: die sehr gute Beleuchtung im 3. Akt.)

Hängt’s also doch an den Sängern? Auf Platz 3 meiner Rangfolge: Camilla Nylund, die als Marschallin etwas "beschlagen" und parlandoschwach klingt (wie eine Kaiserin aus "Frau ohne Schatten", die sich ein Gschpusi zugelegt hat). Platz 2: Nadine Sierra mit ihrer ersten Sophie. Sie überstrahlt den etwas zu hellstimmigen Octavian von Michèle Losier. Platz 1 und in der Tat der beste Ochs seit Jahrzehnten (im Grunde seit Richard Mayr): Günther Groissböck. Endlich mal kein krachlederner, ordinärer Landjunker. Groissböck verströmt eine Resterotik von "Bauer sucht Frau".

Sierra und Groissböck sind der Lichtblick

Zubin Mehta, fragil geworden, dirigiert den 1. Akt wie mit angezogener Handbremse. Viel zu langsam! Später löst sich das. Daniel Barenboim erschien im Publikum, soweit ich sah, erst zum 3. Akt. Es war vielleicht Mehtas letzte Opernpremiere. Wir wollen es gut sein lassen.

"Der Rosenkavalier" kann einiges vertragen. Dieser hier lohnt vor allem wegen Groissböck und Nadine Sierra. Brauchen tut diese Berliner Triplette niemand. Die Inszenierungen der beiden anderen Häuser sind besser (von Andreas Homoki und Götz Friedrich).

 

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

Hören und Sehen

Der österreicherische Opernsänger Günther Groissböck, Bass; © Carsten Kampf
Carsten Kampf

In der Strauss-Oper "Der Rosenkavalier" zu hören - Günther Groissböck, Opernsänger

Sehr wienerisch wird es am Wochenende in der Staatsoper Unter den Linden werden: Denn dann steht dort die Premiere der Strauss-Oper "Der Rosenkavalier" an, und zwar in der Inszenierung des österreichischen Multi-Künstlers André Heller. Mit von der Partie, als Baron Ochs auf Lerchenau, ist der Bass Günther Groissböck, ebenfalls ein Österreicher, ebenfalls weltweit tätig.

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André Heller (Quelle: rbb)
rbb
4 min

Gespräch | rbbKultur - Das Magazin - ''Der Rosenkavalier'' inszeniert von Andre Heller

Es ist eine freundliche Übernahme der Wiener an der Staatsoper. André Heller inszeniert seine erste Oper. Bühnenbildnerin Xenia Hausner und Modedesigner Arthur Arbesser sind mit dabei.

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