Simon Rattle (Quelle: Berliner Philharmoniker/Stefan Rabold)
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Philharmonie Berlin - Sir Simon Rattle dirigiert die Berliner Philharmoniker

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Beethovens einziges Oratorium "Christus am Ölberge" findet man eher selten auf den Programmzetteln. Doch jetzt ist es in drei Konzerten mit Sir Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern zu hören. Außerdem dirigiert Rattle Richard Strauss' Konzert für Oboe und kleines Orchester - mit Jonathan Kelly, seit 2003 Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker.

Simon Rattle ist die Antithese zu Kirill Petrenko. Ganz locker, vertraut auf den Teamgeist, er gibt nur hier und da Anregungen. Das kann dann zwar auch mal kurz entgleisen, ist aber nicht schlimm.

Strauss’ Oboenkonzert entstand 1945 als geradezu groteske Antithese zur Realität. Bukolisches Idyll, weitgehend ornamental und gehaltfrei. Zu Teilen auch etwas langweilig. Während draußen alles in Trümmern liegt, sinniert der Komponist über einer mythischen Welt, die es nie gab.

Jonathan Kelly spielt das alles sehr tonschön, vielfach auch intim und kommt erst im 3. Satz etwas extrovertierter aus sich heraus. Das alles gut abschattiert vom Orchester begleitet. Es bleibt aber die schmerzliche Demaskierung eines alten Komponisten.

Ähnlich schräg wirkt auf uns heute Beethovens Oratorium "Christus am Ölberg". Das wirkt doch sehr wie ein Stummfilm, kann einem heute kaum berühren. Dabei hat Beethoven später doch so ergreifend die Einsamkeit beschrieben. Die Sensation dieser Aufführung war Benjamin Bruns, ein herrlicher freier, blitzsauberer, auch ungeheuer starker Tenor. Dabei geradezu beängstigend textpräzise.

Der Cherub Iwona Sobotka kam da zwar in brillanten Spitzentönen dran, verlor aber ab und zu mal den Textfaden. Erst mit dem Eintritt des hervorragend präpariertem Rundfunkchors bei der Szene der Ergreifung Jesu wird das Werk origineller. Da kommt mal nicht karikierendes Drama auf. Insgesamt bleibt das Werk aber eher werkgeschichtlich interessant.

Clemens Goldberg, rbbKultur

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