Konzerthaus Berlin Lang Lang
Markus Werner
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Konzerthaus Berlin - Wir spielen für Sie. Live aus dem Konzerthaus Berlin

Bewertung:

Der rbb und das Konzerthaus Berlin haben Welstars live von der Bühne des Konzerthauses zu den Menschen in Berlin und Brandenburg gebracht: "Wir spielen für Sie. Live aus dem Konzerthaus" - so das Motto des Abends. rbbKultur hat das Konzert live im Radio und online im Livestream übertragen und senden es am Sonntag im rbb Fernsehen.

Der große Saal des Konzerthauses ist leergeräumt, ein faszinierender Anblick und sehr gute Akustik. Aber es fehlt das Publikum und die Tasten des Klaviers werden nach jedem Einsatz desinfiziert. Max Raabe muss kurzfristig in Quarantäne, die Frühkritik gibt es per Telefon. Kultur in Zeiten von Corona.

Das spontan zusammengestellt Programm bietet viel Soul Food, exemplarisch von Daniel Hope und Jaques Ammon geliefert, Fritz Kreisler, Raynaldo Hahn, Deward Elgar. Richard Heymann "Irgendwo auf der Welt" klingt irgendwie nach Bach, aber wirklich tiefen Trost bietet nur das Original. So in leider nur einem Satz aus der Solo-Sonate C-Dur mit der Konzertmeisterin des Konzerthausorchesters, Sayako Kusaka. Selbst die verkitschte Variation aus den Goldberg-Variationen von Lang Lang kann noch Tiefe aufscheinen lassen.

 

Konzerthaus Berlin Daniel Hope © Markus Werner
Bild: Markus Werner

Sehr komplex der Beitrag der herrlichen Olga Peretyatko, einfühlsam begleitet von Jacques Ammon am Klavier. Leider ging weder die Moderatorin Nadine Heidenreich noch die Sängerin selbst auf die Inhalte ein, so dass sie dem Kenner vorbehalten blieben. In der Arie der Elektra in Mozarts "Idomeneo" will sie sich aus Eifersucht umbringen, sie verliert fast den Verstand - welch ein Stück in dieser Zeit! und in Gounods "Roméo et Juliette" singt Julia "Ich will leben", ich bin jung, ich will den Augenblick auskosten, nicht mit dem falschen Mann verheiratet sein. Für die nächsten Konzerte dieser Art sollte man auch darauf eingehen, was die Musik inhaltlich zu bieten hat. 

Am meisten beeindruck war ich von allen Begleitern, auch Ohad Ben-Ari, der den Vollblutmusiker Avi Avital "begleitete", nein befeuerte. So viel Lebenslust, sei es rumänische Tänze, spanische Lieder oder ein Lied aus Tel Aviv, das sprengte den Rahmen der Mandoline. Und doch: die Lebenslust Spaniens und der Lärm von Tel Aviv, sie bleiben derzeit der Musik vorbehalten.  

Clemens Goldberg, rbbKultur

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