Lautten Compagney; © Ida Zenna
Ida Zenna
Bild: Ida Zenna

Theater im Delphi - :lounge gestreamt: Lautten Compagney

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Die Lounge Konzerte im Theater im Delphi hatten auch vor Corona schon die Lautten Compagney zu Gast. Allerdings mit einem Glas in der Hand und dichter Publikumsatmosphäre. Jetzt muss und kann man sich etwas zu Hause einschenken. Meine erste Option – gehaltvoller Wein – erwies sich als unpassend. Gepasst hätte Gin Tonic.

Die digitale Lounge kommt live über YouTube ins Wohnzimmer, und hatte sich dieses Mal ganz Johann Sebastian verschrieben – wie Klaus Katschner in seiner Moderation den großen Bach kumpelhaft ansprach.

Dieser Attitüde entsprachen auch die coolen Verfremdungen des Programms. Das berühmte Air aus der D-Dur Orchesterouvertüre kam erst langsam aus seinem jazzigen Gewand und mit launigen modernen Ornamentierungen zum Vorschein. Das Original berührt mich immer noch mehr. Auch das Prelude aus der G-Dur Cellosuite wurde aus seiner Regelmäßigkeit gelockt, indem ihm jeweils ein Sechszehntel geraubt wurde, immerhin ein interessantes Experiment.

Kurzweilig und witzig

Stargast des Abends war Anna Prohaska, von der man gerne noch mehr gehört hätte. Die Arie "Wie zittern und wanken der Sünder Gedanken" regten zu vielen Corona-Gedanken an. Denn auch hier wird Sünde und Verantwortung gerne mal bemüht. Ein Saxofon trat in Dialog mit der exquisit den Text und die Töne gestaltenden Anna Prohaska. Funktionierte okay.

Insgesamt entstand so coole Bar-Atmsophäre und die Gedanken durften swingen und jazzen. Das ist kurzweilig und witzig. Allerdings: Was Bach unnachahmlich und ganz ohne Verfremdung kann, nämlich die Seele in tiefster Tiefe berühren, das gelingt so weniger.

Was viel zu schamhaft verschwiegen wurde: Natürlich finanziert sich so etwas nicht von allein. Es darf und soll gespendet werden!

Clemens Goldberg, rbbKultur

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