Wolfgang Rihm
MUTESOUVENIR | KAI BIENERT
Download (mp3, 5 MB)

Philharmonie Berlin - Musikfest Berlin: "Stabat Mater" von Wolfgang Rihm

Der Komponist Wolfgan Rihm (Jhg. 1952) hat den Klagegesang "Stabat Mater" in ans frühe letzte Jahrhundert erinnernder Melodik umgesetzt. Gestern fand im Rahmen des Musikfestes Berlin die Uraufführung in der Philharmonie statt - mit Künsterfreund*innen Rihms: Tabea Zimmermann, Christian Gerhaher, Jörg Widmann und Tamara Stefanovich.

Wie Maria unter dem Kreuz, die ihren Sohn sterben fühlt, so sehen wir Tabea Zimmermann und Christian Gerhaher auf der weiten Bühne im großen Saal mit den verstreuten Zeugen. Wolfgan Rihm hat den Klagegesang "Stabat Mater" in ans frühe letzte Jahrhundert erinnernder Melodik umgesetzt.

Die Bratsche übernimmt aber auch eine dritte Stimme, sie spielt fast immer zweistimmig. Es gibt nach dem Tod Jesu einen Perspektivwandel, der Gläubige will sich durch Schmerzen erlösen, in der Betrachtung der Wunden. Das ist befremdlich, wird aber musikalisch nicht merklich anders umgesetzt. Der Hörer hätte gern mit einem Programmheft und den Texten mehr erfahren. Diese waren aber schon sehr früh nicht mehr erhältlich, ein großes Ärgernis. So konnte er die intensive und wahrhaftige Interpretation nur halb würdigen.

Der Klarinettist Widmann zieht in den Bann

Auch über die eigenartigen Titel erfuhr man selbst in den vorhandenen Programmheften nichts. Male über Male 2 ist eigentlich ursprünglich ein Solostück für den fabelhaften Klarinettisten Jörg Widmann. Als "Übermalung“ kommen nun noch neun Instrumentalisten, Schlagwerk, Klavier, Harfen, Celli hinzu. Es lebt aber ganz von der Klarinette, die Instrumentalisten wirken wie eine psychologische Erweiterung einer einsamen Suche. Unglaublich, welche Extreme der Höhe, Tiefe, Klanggebung und Intensität hier gefordert werden, neben unendlichem Atem. Widmann zieht in den Bann, ein unglaubliches Erlebnis.

Neugier weicht zunehmender Ratlosigkeit

"Sphäre nach Studie" hieß ein früheres erstes Stück des Abends, man hätte es auch Punkt "Punkt Komma Strich" überschreiben können, denn es ist eine Erkundung mit 6 Instrumenten (Klavier, Kontrabässe, Harfe, Schlagzeug) über kurze Töne, gezupft oder geschlagen und lange Töne, vor allem in den Kontrabässen und manchmal im Klavier. Sehr konzentriert von Musikern der Philharmoniker "auf den Punkt" gebracht, aber immer noch mit Studiencharakter.

Nach 10 der fast 30 Minuten verließ mich die Neugier und wich zunehmender Ratlosigkeit. Auch das gibt es.

Clemens Goldberg, rbbKultur

Weitere Rezensionen