Daniel Hope
Inge Prader
Bild: Inge Prader Download (mp3, 4 MB)

Daniel Hope spielt in seinem Berliner Wohnzimmer mit Gästen - ARTE: "Hope@Home - Next Generation"

Bewertung:

Der Lockdown hat uns wieder - und der Geiger Daniel Hope ist wieder zurück auf dem Bildschirm mit "Hope@Home", dieses Mal mit der "Next Generation". Vor allem jüngere Freelancer sind eingeladen, die es ja nicht erst jetzt wieder besonders hart trifft. Es war bereis im Frühjahr und ist jetzt wieder eines der erfolgreichsten Formate dieser Art und man kann gut verstehen, woran das liegt.

Erst einmal fühlt man sich wirklich eingeladen in Hopes Wohnzimmer, es ist eine trotz Technik gemütliche Atmosphäre. Apropos Technik: die Mitarbeiter*innen des Senders ARTE leisten beste Arbeit, Ton und Bild sind hoch professionell, der Flügel immer gut gestimmt. Hinzu komt die unprätentiöse, sehr offene Art Daniel Hopes, der zwar merklich das Zentrum der Show ist, aber niemals unangenehm im Vordergrund steht. Auch die Auswahl der Stücke und der lockere aber doch gut geplante Aufbau tragen zur Zwanglosigkeit und Atmosphäre bei. Meist sind die Stücke nicht zu lang, eher auf der gefühligen, emotionalen Seite und bunt im Stil gemischt, ohne beliebig oder seicht zu werden. Einzige Barriere wohl doch für viele, zumal in Frankreich: alles läuft auf Englisch ab.

Hope, Hoffnung und ein freier Himmel der Gedanken

Der rote Faden in der gestrigen Show war tatsächlich Hope, Hoffnung und ein freier Himmel der Gedanken mit vielen Vögeln. Ja, der Volltreffer der Show war der aus dem Lockdown in England zugeschaltete Schauspieler, Produzent und Theatermacher Ben Crystal. Was gäbe ich darum, wenn in Deutschland Sprache noch so gut gelehrt würde wie in Großbritannien! Ben Crystal las Gedichte, die zwar nicht immer so schnell für Nicht-Enländer zu verstehen waren, aber mit soviel Vergnügen, Theaterblust und Humor, dass ich wirklich mitgerissen wurde. Ja, es ging um Wege des Lebens, Hoffnung und Scheitern, zerbrechliche Liebe - aber auch um Vögel am Himmel.

Lerche und Dudelsack

Das griff Hope auf mit einer sehr einfühlsamen Liedbegleiterin Helen Collyer. Doch etwas schade, dass wir die Lerche in Vaughan Williams "The Lark Ascending" nicht zur Gänze präsentiert bekamen, aber ihr Flug war himmlisch gespielt. Auch Schumanns "Requiem" in einer Version für Geige und Klavier berührte sehr - Hope ist zwar immer knapp am Sentimentalen dran, aber nicht drüber. Ein Stück mehr Musik wäre in dieser etwas kurz geratenen Show schon noch drin gewesen.

Ein lustige Wendung am Schluss war der Auftritt des Dudelsackspielers Colin Brown, der auch schon für die Queen gespielt hat, das adelt! Crystal las und Collier spielte "Amazing Grace", indeed.

Clemens Goldberg, rbbKultur

Weitere Rezensionen