Ultraschall Berlin 2019: Notos Quartett im Radialsystem V; © Simon Detel
Bild: Simon Detel

Festival für neue Musik - Ultraschall Berlin: Eröffnungskonzert mit dem Notos Quartett

Gestern Abend begann die 23. Ausgabe von Ultraschall Berlin, dem Festival für neue Musik, gemeinsam veranstaltet von rbbKultur und Deutschlandfunk Kultur. In diesem Jahr spielt die Musik - Pandemie bedingt - nur online. Gestern hat im Kleinen Sendesaal im Haus des Rundfunks das Berliner Notos Quartett das Eröffnungskonzert aufgenommen. Am Abend war das Konzert dann auf rbbKultur als "Radiokonzert" zu hören.

Das Notos Quartett besteht aus der Pianistin Antonia Köster, dem Geiger Sindri Lederer, der Bratschistin Andrea Burger und dem Cellisten Philip Graham. Sie haben das Ensemble im Jahr 2007 gegründet. Es ist eines der weltweit nur wenigen Klavierquartette in fester Formation. Immer wieder schreiben Komponisten Werke eigens für das Notos Quartett. So auch der österreichische Komponist Bernhard Gander. Sein Werk "Schwarze Perlen" wurde gestern vom Notos Quartett uraufgeführt.

Im dem Werk beginnt zunächst das Cello. Mit dunklen Tönen folgt das Klavier. Schließlich stimmen auch die Geige und die Bratsche in die martialischen Klänge ein.

"Schwarze Perlen" ist ein atemloses Werk. Brutal, unmenschlich, monströs. Nicht nur klanglich, auch physisch gehe das Stück ziemlich an die Grenzen, sagt Philip Graham, der Cellist:

"Das Werk zu spielen erfordert immense Arbeit. Die übereinanderliegenden rhythmischen Elemente werden immer wieder verschoben und werden nach und nach derart komplex, dass man während der ganzen 17 Minuten, die das Stück dauert, sehr konzentriert dabei sein und gleichzeitig körperlich sehr aktiv bleiben muss, um heil durch das Werk zu kommen."

Ein Werk, das "perlt"

Doch warum der Titel "Schwarze" Perlen? Für Philip Graham ist es ein Werk, das "vor sich hin perlt".

"Sowohl der Rhythmus als auch der Titel erinnern an Heavy Metal. Für uns ist das Stück selbst eine schwarze Perle."

Folkloristisches und Minimal Music

Mit dem zweiten Werk des Abends, "Spirals" - zu deutsch Spiralen - von Bryce Dessner wird es volkstümlicher. An einigen Stellen erinnert das Stück an folkloristische Fidel-Musik. Aber vor allem hat es viele Elemente der Minimal Music. Das Notos Quartett selbst hatte das Werk es bei Dessner in Auftrag gegeben. Gestern war die Uraufführung.

Beim Hören der Musik könnte man an Kreise denken, die sich um die Stelle bilden, an der ein Stein ins Wasser fällt. Während der Stein in einem Strudel immer schneller nach unten sinkt, werden die Ringe an der Oberfläche immer weiter und gehen irgendwann ganz im großen Wasser auf. Der Strudel, die Spiralen, wirken wie ein Sog.

Romantischer Trauergesang

"Still Movement with Hymn", Stille Bewegung mit Hymne, heißt das letzte Stück auf dem Programm. Mit einer knappen halben Stunde ist es das längste der drei Werke. Der Amerikaner Aaron Jay Kernis hat es 1993 für Klavierquartett komponiert. Die Musik ist schwermütig, klagend, ein Trauergesang. Es sei ein Stück über den Bosnien-Krieg, erklärt Philip Graham:

"Es geht um die damit verbundenen, damals sogenannten ethnischen Säuberungen. Vertreibung, Flucht, furchtbare Arbeitslager, tausende Opfer auf ziviler Seite - eine furchtbare Zeit."

Im Kompositionsstil mutet das Werk eher romantisch an. Dennoch ist es inhaltlich modern.

Zeitgenössische Musik in stilistischer Bandbreite

Das Notos Quartett hat im Eröffnungskonzert von Ultraschall Berlin gezeigt, dass zeitgenössische Kompositionen stilistisch und inhaltlich eine große Bandbreite abdecken können – in einer Musiksprache, die durchaus verstehbar ist.

Antje Bonhage, rbbKultur