Philharmonie Berlin: Russischer Abend mit Kirill Petrenko © Stephan Rabold
Stephan Rabold
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Pilotprojekt: Konzert vor Publikum - Berliner Philharmoniker: Russischer Abend mit Kirill Petrenko

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Wenn alles so gut organisiert und wie am Schnürchen laufen würde wie das große Live-Konzert-Experiment in der Philharmonie, dann bräuchten wir uns viel weniger Sorgen um die Beherrschung der Pandemie machen. Mindestens Deutschland, wenn nicht Europa, schaute wohl gebannt auf den Wagemut, 1.000 geimpfte Besucher*innen zum Konzert der Berliner Philharmoniker zuzulassen - FFP2-Masken inklusive.

Der Text im Testzentrum lief glatt, zehn Minuten Wartezeit. Das Ergebnis kam dann über einen QR-Code. Auch der Einlass mit Personalausweis, Ticket und Text lief reibungslos, es gab gar eine kostenlose Flasche Wasser für die kurze Pause, bei der man allerdings nicht den Saal verließ.

Philharmonie Berlin: Russischer Abend mit Kirill Petrenko | Teststation in der Philharmonie© Stephan Rabold
Bild: Stephan Rabold

Sensationelles Empfinden nach langer Durststrecke

Dass man einmal nach so langer Durststrecke das Erlebnis des Austauschs einer gut gefüllt wirkenden Philharmonie mit dem Orchester als sensationell empfinden würde!

Sehr spürbar war die Freude und große Hingabe der Musiker*innen, die übrigens ganz normal saßen und rätselhafter Weise trotzdem mit Maske auf die Bühne kamen. Das Programm mit Tschaikowskis "Romeo und Julia" (dramatisch zugespitzt und mit großem Pathos innniglichst gespielt) und Rachmaninows 2. Sinfonie war ganz nach dem Herzgeschmack Kirill Petrenkos.

Letztere hatte er auch bei seinem Debut 2006 bei den Philharmonikern gespielt. Heute wirkte alles wunderbar gelöst, sehr organisch. Rachmaninow komponierte vier in sich korrespondierende Sätze als großen, herrlich farbigen Fluss des Lebens mit einigen Stromschnellen. Das war sehr gut ausgeleuchtet und trotz der sehr großen Längen dramaturgisch spürbar gestatlet. Emotionale Höhepunkte waren die Bläsersoli, allen voran im langsamen Satz Wenzel Fuchs’ Klarinette.

Ein gelungenes Experiment

Petrenko und die Philharmoniker sind eine Schicksalsgemeinschaft mit absolutem gegenseitigen Vertrauen geworden, Standing Ovations. In dieser Form kann man Konzerte auch bei hoher Inzidenz sehr sicher durchführen. Ein gelungenes Experiment, das zudem reinste Seelennahrung bot.

Clemens Goldberg, rbbKultur

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