Deutsche Oper: Francesca da Rimini © Monika Rittershaus
Monika Rittershaus
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Digitale Opern-Premiere - Deutsche Oper Berlin: "Francesca da Rimini"

Bewertung:

Die fünfte Inszenierung von Christof Loy an der Deutschen Oper Berlin feierte digitale Premiere: "Francesca da Rimini", die Oper von Riccardo Zandonai, war 1914 ein Schlusslicht des sogenannten "Verismo" – eines Operngenres, das für leicht dirty gilt. Das Image von "Frauen am Rande des Nervenbruchs" ist nicht ganz falsch – auch hier nicht, obwohl die adlige Fransesca vom rivalisierenden Malatesta-Clan mit einem Fake-Ehemann aufs Kreuz gelegt wird.

Der untergeschobene Bruder gäbe eigentlich Anlass für eine allerliebste Verwechslungs-Buffa. Doch der (aus Dantes "Göttlicher Komödie" stammende) Stoff endet mit Doppelmord. Die Musik dazu klingt ungefähr wie ein überreifer Pfirsich, der nur darauf wartet, vom Baum zu platschen. Wundervoll.

In historischen Kostümen lässt Regisseur Christof Loy natürlich nicht spielen. Oder doch? Der Wintergarten seines Großbürger-Salons wirkt – mal wieder – wie eine Reminiszenz an die opulenten Bühnenbilder der 80er Jahre (eines Karl-Ernst Herrmann oder Rolf Glittenberg). Gute Personenregie! Es regiert Neugierde gegenüber einer Opern-Trouvaille, die Lust an ihrer Ausgrabung. Geschmackssicher und zielführend umgesetzt.

Jonathan Tetelman (Paolo) und Sara Jakubiak (Francesca) in <<Francesca da Rimini>> von Riccardo Zandonai an der Deutschen Oper Berlin. (Quelle: deutscheoperberlin.de/M. Rittershaus)
Bild: deutscheoperberlin.de/M. Rittershaus

Triumphierende Besetzung

Sara Jakubiak, stargeboren vor drei Jahren in Korngolds "Wunder der Heliane", kann an diesen Triumph anknüpfen. Ihr luxurierender, prall flutender Gold-Sopran repräsentiert keinen abgebobenen Primadonnentypus, sondern verheutigt die Rolle angenehm. Jonathan Tetelman als schöner Paolo gibt einen standfest schlanken Latin Lover. Als einäugigen Bruder hat man sogar Charles Workman importiert. Die Besetzung würde auf jeder Bühne dieser Welt triumphieren.

Ein Volltreffer

Für das Orchester der Deutschen Oper ist das genau das Richtige. Altmeister Carlo Rizzi setzt ordentlich Stickstoff und Gefühlsüberdruck frei. Man wundert sich, wie schön solch ständige Erregungsüberfälle klingen können.

Bei den zeitgleich vergebenen Grammys zerschlugen sich diesbezügliche Hoffnungen des Hauses (nominiert war man für Zemlinskys "Der Zwerg").

Mit der gleichfalls auf DVD erscheinenden "Francesca" erhält man eine zweite, sogar reellere Chance. Endlich ein Volltreffer!

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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