Adam Fischer, Dirigent: Ball der Wiener Philharmoniker, 2016 © Herbert Pfarrhofer/dpa/www.picturedesk.com
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Philharmonie Berlin - Adam Fischer dirigiert die Berliner Philharmoniker

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Die Wiener Klassiker Haydn und Mozart liegen Adam Fischer besonders am Herzen. Vor zwei Jahren schon gestaltete er bei den Berliner Philharmonikern mit den beiden Komponisten einen Abend. Jetzt hat er nachgelegt – mit Erfolg.

Adam Fischer kennt jede Note – Partituren braucht er am Pult keine. Was er nicht will, ist klar: Nett und freundlich ist hier gar nichts. Der Dirigent steht vor dem Orchester und feuert an, er motiviert mit großen Bewegungen. Bisweilen mit köstlicher Hektik – das erinnert oft an Louis de Funès in seinen großen Filmrollen. Aber dadurch macht er richtig Dampf, da gibt es keine Zeit zum Entspannen. Nur eine Richtung: nach vorne!

Produktive Unruhe

Die den Originalklangensembles vergleichbare kleinere Besetzung sorgt für Leichtigkeit. Entscheidend ist hier aber die Präsenz. Da wird nichts einfach nur so formelhaft abgespult, es dominiert vielmehr eine produktive Unruhe. Alles wirkt neu erfunden in einer kribbeligen Spannung, als wenn permanent Koffein nachgekippt wird.

Da ist die Freude am Besonderen. Wenn Mozart etwa in seiner Sinfonie Nr. 33 im Menuett ständig scheinbar falsche Akzente setzt, kostet Adam Fischer das so richtig aus. Der Effekt: Plötzlich hört man wieder hin, der Spaß am Spiel überträgt sich.

Haydn der Anarchist

Joseph Haydn gilt als sinfonischer Spaßvogel. Sicher, aber das ist er immer mit Niveau. In seiner Sinfonie mit dem Beinamen "Mit dem Paukenwirbel" ist am Beginn eher eine kleine Improvisation an der Pauke gemeint. Die gibt es hier auch – worauf eine wirklich düstere Einleitung folgt. Nur, um dann so richtig loszulegen mit Tempo und Frohsinn.

Adam Fischer zeigt Haydn als Komponisten, der immer alles anders macht als erwartet: schräge Rhythmen, ein viel zu prachtvolles C-Dur mit Pausbacken und glänzenden Augen oder nachgeklapperte Motive, die von den Bläsern herausgeblökt werden. Haydn ist hier der Anarchist, der die Regeln alle kann – um sie auf den Kopf zu stellen. Selten war das mal so atemlos zu verfolgen.

Sturm – in der Kunst und in der Realität

Das konnte man nun wirklich nicht ahnen, als das Programm festgelegt wurde. Da hat Adam Fischer Joseph Haydns Chorszene "Der Sturm" angesetzt – und dann fegt gerade an diesem Tag der erste große Herbststurm des Jahres durch das Land.

Der – unbeabsichtigte – Effekt war jedoch dieser: Da lässt Haydn das Orchester brausen, der Chor schreit und sehnt sich nach Ruhe. Aber wer die aktuellen Bilder von den Sturmschäden im Kopf hat – auf den wirkt das Stück wie ein laues Lüftchen. Eine hervorragende Aufführung – aber da hat die Realität die Kunst eingeholt. Ohne diesen Herbststurm hätte man das sicher anders empfunden.

Kyrie zwischen Requiem und Don Giovanni

Was sich in Haydns Sturm-Musik nicht übertragen wollte – in Wolfgang Amadeus Mozarts d-Moll-Kyrie wurde es Wirklichkeit. Das ist ein tiefdunkles, aufgewühltes, tragisches Stück. Es weist auf sein Requiem hinaus, trägt die Abgründe des "Don Giovanni" in sich. Viel weiß man über die Hintergründe der Entstehung nicht, aber heute vermutet man, dass Mozarts es in seinen letzten Lebensjahren mit Blick auf eine neue große Messe zu Papier gebracht hat. Wie schade, dass er diese nicht mehr komponieren konnte.

Das ist die Kehrseite zu den eher heiteren Sinfonien des Abends. Da hatte man sofort vor dem inneren Auge, wie der Komtur Don Giovanni in den Abgrund, in die Hölle zieht.

Extreme Gegensätze

Für den Rundfunkchor waren die beiden Chorstücke keine wirkliche Herausforderung, aber der Chor hat auch hier seine Weltklasse mühelos ausgespielt. In diesem dämonischen Mozart-Kyrie wirkten die Einsätze wie eine Klangwand, die in den Trommelfällen gedröhnt hat, und man meinte, dass die Wände der Philharmonie zu beben anfangen. Eine wieder einmal grandiose Leistung, und hinterher musste man erst einmal tief durchatmen.

Dieser ganze Abend war ein einziges Vergnügen. Wie Adam Fischer in Haydns und Mozarts Musik gerade die extremen Gegensätze zelebriert hat, das bleibt lange in Erinnerung.

Andreas Göbel, rbbKultur

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