Deutsche Oper Berlin: Götterdämmerung - Clay Hilley (Siegfried) u. Jürgen Linn (Alberich) © Bernd Uhlig
Bernd Uhlig
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Deutsche Oper Berlin - "Götterdämmerung" von Richard Wagner

Bewertung:

Wie der neue "Ring des Nibelungen" – der erste, der covidbedingt völlig durchander auf die Welt kam – abschließend zu beurteilen sein mag, dürfte sich erst im November sagen lassen, wenn auch "Siegfried" (der 3. Teil) endlich nachgereicht wird. Ob die Inszenierung von Stefan Herheim gemischte Gefühle, die sie bislang hervorrief, je überwinden kann, scheint zweifelhaft. Auch wenn "Buhs" bei der Premiere von wackeren Fans nach Kräften niedergejubelt wurden.

Wie die diversen Inszenierungkonzepte, die sich hier überkreuzen, zueinandergehören, bleibt gleichfalls offen. Da ist einerseits ein autobiografischer Ansatz, nach dem die Auftritte aus dem in der Bühnenmitte platzierten Flügel Wagners erfolgen.

Ein "Flüchtlings-Ring"

Wie sich dazu die Idee eines "Flüchtlings-Rings" verhält, bei dem eine Gruppe von Exilierten ein neues Leben beginnen will, ist rätselhaft; umso mehr, als jetzt über allem auch noch eine altnordische Götter-Horde thront wie auf einer zu hoch aufgehängten Renaissance-Predella.

Wie sind die da bloß hochgekommen?

Sänger:innen auf der "Haben-Seite"

Die aufgestapelten Koffer schließlich, selbst wenn es hier um inneres Exil gehen soll, sind immer noch wenig überzeugendes, zudem abgedroschenes Schlüsselbild.

Auf der Haben-Seite: Okka von der Damerau als Waltraute, die meistbejubelte Sängerin des Abends. Und die wahrlich bombige Höhe von Nina Stemme als Brünnhilde. Clay Hilley (Siegfried) ist ein amerikanischer Mast- und Krafttenor mit Obelix-Figur; superverlässlich in seinem Draufgängertum.

Deutsche Oper Berlin: Götterdämmerung - Nina Stemme (Brünhilde) © Bernd Uhlig
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Vokale Schwachstelle des Abends (obwohl darstellerisch vorzüglich): Gidon Saks als Hagen. Sie alle definieren Tugend und Untugenden eines vokalen Frontalangriffs. Nichts für zartere Gemüter.

Ein erneut suboptimal disponierter Wagner

Donald Runnicles verbringt den zweistündigen 1. Akt mit vergeblichen Versuchen, einen sinnvollen Höhepunkt zu finden. Erneut wird dieser Wagner von ihm suboptimal disponiert.

Es bleibt: Abwarten und Lindenblütentee trinken. An einen großen Regie-Erfolg aber glauben derzeit wohl nicht viele.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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