Komische Oper Berlin: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny © Iko Freese/Komische Oper Berlin
Iko Freese/Komische Oper Berlin
Bild: Iko Freese/Komische Oper Berlin Download (mp3, 7 MB)

Komische Oper Berlin - "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny"

Bewertung:

Dass Barrie Kosky den großartigen Erfolg der "Dreigroschenoper" am Berliner Ensemble, einer seiner besten Arbeiten überhaupt, mit Brecht/Weills "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" würde toppen können, war zu hoffen. Zumal "Mahagonny" eine Fortsetzung der "Dreigroschenoper" mit anderen, nämlich Opernmitteln ist. Nur liegt genau da der Hase im Pfeffer: Es gibt kaum ein schwerer zu realisierendes, häufiger misslingendes Werk als dieses. Der Eindruck der Tücke des Mahagonny-Objektes, er ist auch nach dieser Aufführung nicht aus der Welt.

In der "Dreigroschenoper" war es Koskys Prinzip, die mitunter dünne Story durch Theatermittel zu beleben. Bei "Mahagonny" anscheinend nicht; zumindest ist die Aufführung dafür zu zäh - selbst dann noch, wenn uniforme Glitzeranzüge und das Tortenstück aus Vorhang und Spiegeln das Gegenteil suggerieren. Das Schunkeln, Schäkern und Schenkelreiben kennt man schon aus anderen Kosky-Produktionen. Dem Lehrstück, dem Weills schmissige Musik misstraut, verweigert sich auch dieser Dreistünder. Ein Konzept, von dem einige Rezensenten behaupten, es gebe eines, habe ich – auch nach der Lektüre in den Zeitungen – nicht finden können.

Kein One-Hit-Wonder

"Mahagonny" ist durchaus kein One-Hit-Wonder. Da gibt es nicht nur den grandiosen "Moon of Alabama", sondern "Wie man sich bettet, so liegt man" und "Erst kommt das Fressen, dann die Moral". Inhaltlich ist das Werk sogar stärker als die "Dreigroschenoper". Es geht um die Gründung einer utopischen Stadt, in der das Glück kapitalistisch für alle da ist, und die deswegen prompt zum Untergang führt. Das ist ein Schlag ins Gesicht all dessen, dem wir heute treu sind.

Komische Oper Berlin: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny © Iko Freese/Komische Oper Berlin
Bild: Iko Freese/Komische Oper Berlin

Den Darsteller:innen schlicht zu vertrauen, geht hier nicht

Allan Clayton ist ein tonstarker, etwas flacher Jim Mahoney. Nadine Weissmann als Witwe Begbick hält die Mitte zwischen Lotti Huber und Lady Bunny: big hair im kessen Hängerchen. Jenny ist mit Nadja Mchantaf nicht schlecht, allerdings recht opernhaft besetzt. Seinen Darsteller:innen schlicht zu vertrauen – wie in der "Dreigroschenoper" –, geht hier aber nicht. Dem Text folgt man mit Mühe – und starrt gebannt auf die Originaltexte von Brecht, die im Vordersitz als Übertitel zum Teil mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen als das Geschehen auf der Bühne.

Früh verschossenes Pulver

Man muss mit der Stadt mitfiebern, um ihren Untergang zu bedauern. Dem trägt das Orchester der Komischen Oper, ich muss sagen: kongenial Rechnung. Auch GMD Ainārs Rubiķis macht diesmal einen soliden Job (von Koordinationslücken mit dem Chor abgesehen).

Da man sein Pulver allerdings frühzeitig verschießt, zieht sich der Abend doch. Das einzig starke Bild kommt fast zu spät: der Gott, der in Gestalt eines Go-Kart fahrenden Äffchens, vielleicht auch einer Kuh, den Untergang besiegelt. Ansonsten verzichtbar. Mein Einkaufstipp: Besser am BE anstehen, auch wenn’s länger dauert.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Philharmonie: Kirill Petrenko dirigiert Tschaikowskys "Jolanthe" © Ole Schwarz
Ole Schwarz

Philharmonie Berlin - Kirill Petrenko dirigiert Tschaikowskys "Jolanthe"

Tschaikowskys Kurzoper "Jolanthe" wurde 1892 im Doppelpack mit dem Ballett "Der Nussknacker" bei derselben Premiere vorgestellt. Doch neben dem Glanz des Ballettes verblasste die zarte, märchenhafte letzte Oper des Komponisten völlig. Allmählich kehrt das Werk wieder auf die Bühnen zurück. An drei Abenden ist "Jolanthe" nun in einer konzertanten Aufführung mit Kirill Petrenko und den Berliner Philharmonikern zu erleben.

Bewertung:
Berliner Philharmoniker – Daniel Barenboim dirigiert Verdi; © Bettina Stoess
Bettina Stoess

Philharmonie Berlin - Daniel Barenboim dirigiert Verdi

Daniel Barenboim hat schon umjubelte Aufführungen großer Verdi-Opern dirigiert. In seinem Konzert mit den Berliner Philharmonikern stellt er nun Werke des Komponisten vor, die zunächst nicht zur Veröffentlichung vorgesehen waren. Kein Zweifel, dass Barenboim, der im November 80 wird, so etwas wie einen "Alterschub" hat. So fahl und spitzäugig wie vor den TV-Kameras beim Wiener Neujahrskonzert sah er aber jetzt, bei Berliner Normalbeleuchtung, nicht aus.

Bewertung:
Wiener Philharmoniker und Dirigent Daniel Barenboim im Großen Saal des Wiener Musikvereins © Dieter Nagl/APA/dpa
Dieter Nagl/APA/dpa

Wiener Musikverein - Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker

Es ist DAS Konzert an Neujahr, ausgestrahlt in 90 Länder für ca. 50 Millionen Zuschauer:innen: das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Es ist so Tradition wie "Dinner for One", nur dass die Dirigenten wechseln, dieses Mal war Daniel Barenboim eingeladen. Eine besondere Ehre: schon zum dritten Mal.

Bewertung: