Vladimir Jurowski © Peter Meisel
Peter Meisel
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Philharmonie Berlin - Vladimir Jurowski, Daniel Hope und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

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"Spirale des Lebens", das steht als Titel über dem aktuellen Konzert des RSB. Vielleicht ein Bezug zum Totensonntag, an dem das stattfand. Denn immerhin gab es mit Bergs Violinkonzert und Tschaikowskys 6. Sinfonie zwei letzte Werke der Komponisten.

Eine ganz andere Nachtstimmung findet Jelena Firssowa, in dieser Spielzeit Composer in Residence beim RSB, für ihr Orchesterstück "Nacht in Appen", das als Auftragswerk des RSB uraufgeführt wurde. Das ist eine Szene, abgelauscht aus einem Ort bei Hamburg, wo Firssowas Komponistenkollegin Sofia Gubaidulina wohnt. Da klopft es, es zwitschert oder läutet. Aber immer nur für wenige Momente, dann ist es vorbei. Angesichts so mancher geschwätziger neuer Werke, die von großen Sinfonieorchestern uraufgeführt werden, ist diese Lakonik eine absolute Wohltat.

Alban Bergs Violinkonzert: Ein Einzelschicksal, von der Geige erzählt, sehr ehrlich und ohne Sentimentalität

Ein Stück über Leben und Sterben ist Alban Bergs Violinkonzert, mit unzähligen Bezügen, Andeutungen und Symboliken angereichert. Aber selbst wer das alles nicht weiß - es vermittelt sich - und in Daniel Hopes Interpretation ohnehin. Er riskiert es, das Werk mit Ecken und Kanten und Kratzern zu spielen. Ein Einzelschicksal, von der Geige erzählt, sehr ehrlich und ohne Sentimentalität.

Daniel Hope © Peter Meisel
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Ein Konzert zum Totensonntag: erschütternd und grandios

Da macht Tschaikowskys 6. Sinfonie weiter. Die "ganze Seele", die der Komponist dort nach eigener Aussage hineingelegt hat, ertönt zunächst in strahlendem, rundem Glanz. Dann aber zeigt das Werk in Vladimir Jurowskis Deutung sein wahres Gesicht. Der Marsch des dritten Satzes ist von lärmender Brutalität, das Finale verzichtet glücklicherweise auf jegliches Selbstmitleid. Das erzählt hart und ehrlich davon, dass der Tod vielleicht im Einzelfall eine Erlösung sein kann, das Sterben aber in Wirklichkeit nie romantisch ist. Ein Konzert zum Totensonntag: erschütternd und grandios.

Andreas Göbel, rbbKultur

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Dass mit dem letzten Puzzlestein, dem nachgereichten "Siegfried", alles wieder gut sein würde, war ein wohl doch zu frommer Wunsch. Immerhin: großer Jubel nach dem 1. Akt – für formidabel aufgelegte Sänger:innen, mit denen grundsätzlich sehr gut gearbeitet wurde. Das Flüchtlingskonzept dieses "Rings" dagegen wirkt nicht schlüssiger als zuvor; selbst dann nicht, wenn man zugesteht, dass Wagner selber – hier in Gestalt Mimes auch körperlich mitspielend – viele Jahre lang auf der Flucht vor Deutschland gewesen ist. So, fürchte ich, kriegt man die Flüchtlingsthematik nicht in den Blick.

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