Jean-Yves Thibaudet, Pianist © Andrew Eccles
Andrew Eccles
Jean-Yves Thibaudet | Bild: Andrew Eccles Download (mp3, 7 MB)

Pierre Boulez Saal - Jean-Yves Thibaudet spielt die Préludes von Claude Debussy

Bewertung:

Das hat Seltenheitswert: alle 24 Préludes von Claude Debussy an einem Abend. Nun ist Jean-Yves Thibaudet einer der kompetentesten Pianisten für die französische Klaviermusik und insbesondere für Debussy.

Debussy verlangt seinen Interpreten alles ab - technisch und emotional. Diese Stücke zählen zum Modernsten, Radikalsten, was er jemals komponiert hat. Seine Préludes orientieren sich nicht mehr an den 24 Tonarten, sondern beziehen ihre Anregungen aus Bildender Kunst, Literatur, Architektur, Mythen oder Natureindrücken.

Bisweilen Zauberei am Klavier

Jean-Yves Thibaudet verfügt über eine traumhafte Anschlagskultur. Da wirken Einzeltöne wie in einer Vitrine ausgestellt. Das ist bisweilen Zauberei am Klavier. Dabei setzt er Klarheit über alles - nur kein verwachsener Impressionismus. Emotional lotet Thibaudet die Extreme aus - die ironische Seite platziert er mit köstlichem Understatement. Da reicht mitunter ein einzelner, trocken angeschlagener Ton, und man muss leise schmunzeln.

Das war ein anstrengender Abend - man musste unglaublich aufmerksam sein: Eine Minute nicht zugehört, und man war raus. Aber man bekam einen unfassbar reichen Musikkosmos geschenkt - nicht zuletzt weil Jean-Yves Thibaudet kompetent und voller Liebe an diese Stücke herangegangen ist. Das macht ihm derzeit kaum jemand nach.

Andreas Göbel, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Deutsche Oper Berlin: "Siegfried" – mit Clay Hilley und Waldvogel; © Bernd Uhlig
Bernd Uhlig

Deutsche Oper Berlin - "Der Ring des Nibelungen – Siegfried" von Richard Wagner

Dass mit dem letzten Puzzlestein, dem nachgereichten "Siegfried", alles wieder gut sein würde, war ein wohl doch zu frommer Wunsch. Immerhin: großer Jubel nach dem 1. Akt – für formidabel aufgelegte Sänger:innen, mit denen grundsätzlich sehr gut gearbeitet wurde. Das Flüchtlingskonzept dieses "Rings" dagegen wirkt nicht schlüssiger als zuvor; selbst dann nicht, wenn man zugesteht, dass Wagner selber – hier in Gestalt Mimes auch körperlich mitspielend – viele Jahre lang auf der Flucht vor Deutschland gewesen ist. So, fürchte ich, kriegt man die Flüchtlingsthematik nicht in den Blick.

Bewertung: