Staatsoper Berlin: "Idoménée" © Simon Gosselin
Simon Gosselin
Tassis Christoyannis (Idoménée) | Bild: Simon Gosselin Download (mp3, 7 MB)

Staatsoper Unter den Linden - "Idoménée" von André Campra

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Mit dem Festival "Barocktage der Staatsoper" präsentiert das Opernhaus Unter den Linden die faszinierende Welt der Barockmusik. In der aktuellen Ausgabe steht eine ganze Musiknation im Fokus: das Frankreich zur Zeit des Sonnenkönigs Ludwigs XIV. Gestern wurden die "Barocktage" mit einer echten Rarität eröffnet: André Campras "Idoménée" als szenische Neuproduktion.

Nicht einmal in Frankreich wurde "Idoménée" von André Campra - abgesehen von einer berühmten Studio-Produktion unter William Christie - seit der Uraufführung 1712 je wieder aufgeführt. Historisch in einer Übergangssituation des Absolutismus angesiedelt, ist die Oper nicht mehr ganz so reich gesäumt, verrüscht und verkringelt wie bei Lully, aber mehr als beim spätereren Rameau.

Eine barocke Opern-Tanzbar

Egal ob Idoménée nun seinen Sohn opfern muss, Elèctre vor Leidenschaft alle Beteiligten verdammt oder Vénus, die auch auftritt, die Welt mit quälenden Leidenschaften überzieht: hinterher wird jedenfalls ein Tanz getanzt. Eine Opern-Tanzbar, barock.

Es wird getanzt - mal origineller, mal weniger originell

Auch in der Inszenierung wird mal mit Seilen, mal mit Wassereimern, mal origineller, mal weniger originell getanzt. Regisseur Alex Ollé war immer der zweite Mann hinter der katalanischen Theatertruppe La Fura dels Baus. Die ist in den letzten Jahren vollends zur Konfektion übergegangen. Auf Plastikprospekte, die wie Duschkabinenwände von der Decke hängen, werden Spiegelreflexe projeziert.

Bei Olaffur Eliasson sah man das, würde ich sagen, schon origineller. Dies digitale Dekorationstheater lässt mich recht kalt.

Emmanuelle Haïm - eine der großen Meisterinnen der Alten Musik

Dirigentin Emmanuelle Haïm, eine der großen Meisterinnen der Alten Musik, hat neben ihrem Orchester auch sämtliche Sänger aus Lille mitgebracht. In der Titelrolle gibt Tassis Christoyannis den barmenden Barock-Bariton – mit einiger Tränenlauge in der Stimme. Samuel Boden als Idamante, Chiara Skerath als Ilione und Hélène Carpentier als Elèctre sind sehr vorzeigbar besetzt.

Staatsoper Berlin: "Idoménée" © Simon Gosselin
Staatsoper Berlin: "Idoménée" | Bild: Simon Gosselin

Le concert d’Astré verwandelt Wein in Champagner

Haïm kommt vom Cembalo her, weshalb alles hier herrlich transparent durchperlt und durchprickelt wird. Le concert d’Astré verwandelt Wein in Champagner.

Im Graben der Staatsoper ist man freilich suboptimal untergebracht. Am Montag immerhin wird das Ensemble aus Anlass seines 20-jährigen Bestehens auf die Bühne versetzt: bei einem hochprominent besetzten Jubiläumskonzert (mit Simon Rattle als Co-Dirigent sowie Solisten wie Natalie Dessay, Sandrine Piau, Léa Desandré und Michael Spyres). Haïm tritt in Berlin ein Teilerbe von René Jacobs an, der an der Staatsoper immer weiter zurückgedrängt wird.

Eine der wichtigsten Premieren der Saison

Man braucht wohl eine Weile, um "reinzukommen" in das Werk. Ich sah Leute in der Pause gehen, die am Ende der Pause wiederkamen. Sie hatten es sich offenbar überlegt. Wohl getan, die ungeheuerliche Opferung des Sohnes am Ende (anders als bei Mozart) ist ein unerhört starker Tragödien-Effekt. Eine der wichtigsten Premieren der Saison.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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