Rundfunkchor Berlin – Weihnachtssingen; © Peter Adamik
Peter Adamik
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Großer Sendesaal im Haus des Rundfunks - "Friede auf Erden": Weihnachtskonzert des Rundfunkchors Berlin

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Nachdem das traditionelle Weihnachtskonzert des Rundfunkchors Berlin im vergangenen Jahr pandemiebedingt ausfallen musste, konnte es diesmal wieder stattfinden, allerdings nicht wie sonst im Berliner Dom, sondern im Großen Sendesaal des rbb.

Grund für diesen Spielortwechsel waren wie so oft in dieser Zeit die Pandemie und die aktuell geänderte Infektionsschutzmaßnahmenverordnung des Berliner Senats. Aber man musste über die Verlegung nicht traurig sein – der Berliner Dom ist mit seiner extremen Überakustik immer ein Problem, und so konnte man den Rundfunkchor Berlin erfreulicherweise ohne verwaschenes Klanggewaber erleben.

Rundfunkchor Berlin – Weihnachtssingen; © Peter Adamik
Bild: Peter Adamik

Der Wunsch nach Frieden

Streng genommen hatte das Programm nur wenig mit Weihnachten zu tun. Der Fokus lag eher auf dem Thema Frieden. Arnold Schönbergs große Motette "Friede auf Erden" führt das bereits im Titel bzw. im Refrain, und auch der Messetext – Josef Gabriel Rheinberger war mit einer a-cappella-Messe vertreten – enthält zweimal diesen Wunsch.

Und wenn in Hugo Wolfs Chorstücken ebenso die Zeile "auch mir gib endlich Frieden" auftaucht, sind mit dieser Zusammenstellung mehrere Ebenen angesprochen: der Wunsch nach Frieden auf der Welt, aber auch das Bedürfnis, in diesen unruhigen Zeiten innerlich zur Ruhe zu kommen.

Grandiose Arbeit

Ein solches Stück wie Schönbergs Motette "Friede auf Erden" kann nur ein Profi-Spitzenchor bewältigen. Da ist mit dem Rundfunkchor selbst in der größten Komplexität immer trennscharf, es ist ein Spiel mit Räumen: mal ganz intim, dann wieder in Stellen größter Expressivität eine Klangwand, die den Saal erzittern lässt.

Dabei bleibt bei aller deklamatorischen Wucht immer noch eine Art Restflauschigkeit, ein edler, runder Klang, an dem man den Chor sofort wiedererkennt. Das ist klanglich wie handwerklich grandios und ein Beleg für die phantastische Arbeit des Chefdirigenten Gijs Leenaars.

Körperlichkeit und Seelentröstermusik

Josef Gabriel Rheinbergers Es-Dur-Messe für Chor a cappella hört man selten. Sie lebt von ihren Kontrasten zwischen einfachen Fortschreitungen und verschachtelten Momenten. Darin gibt es fiese Stellen und böse Einsätze, besonders für den hohen Sopran. Sicherlich nicht das absolute Meisterwerk, allerdings in der Körperlichkeit und Vollmundigkeit, in der man das vom Rundfunkchor hörte, durchaus nicht unangenehm.

Die geistlichen Chöre von Hugo Wolf, von Max Reger für Männerchor bearbeitet, sind eine eher stille, sanfte Seelentröstermusik. Momente der Ruhe und Einkehr.

Rundfunkchor Berlin – Weihnachtssingen; © Peter Adamik
Bild: Peter Adamik

Akustisches Gänseschmalz

Ein insgesamt gut durchdachtes und abgeschmecktes Programm – das aber dann doch nicht auf eindeutige Weihnachtsstimmung verzichten wollte. Den ganzen Abend in atmosphärischer Beleuchtung – weihnachtliches Rot wechselnd mit goldenen, grünen oder violetten Farbtönen.

Da durften auch zwei der bekanntesten Weihnachtslieder als Zugaben nicht fehlen mit "O du fröhliche" und "Stille Nacht". Und da es unter den aktuellen Bedingungen nicht möglich ist mitzusingen, bat Gijs Leenaars das Publikum darum, innerlich mitzusingen. Die Arrangements dieser Lieder – wie auch schon zuvor der drei Weihnachtslieder im Satz von Heinrich Kaminski – waren gehaltvoll angedickt, gewissermaßen akustisches Gänseschmalz. Jetzt kann Weihnachten kommen.

Andreas Göbel, rbbKultur

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