Staatsopernchor vor der Berliner Staatsoper; © Peter Adamik/Staatsoper Berlin
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Staatsoper Berlin - 200 Jahre Staatsopernchor

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200 Jahre Staatsopernchor – das will gefeiert werden, und gefeiert hat nicht nur der Chor, er und sein Chordirektor Martin Wright ließ sich auch von den zahlreich versammelten Ehrengästen hörbar bejubeln.

Allerdings gab es lediglich ein halbes Festkonzert. Im ersten Teil vor der Pause war der Chor überhaupt nicht beteiligt. Lag das an Corona-Auflagen, dass der Chor lediglich netto 36 Minuten singen durfte? Das Konzert jedoch war bereits vor längerer Zeit (s. Saisonbroschüre) genau so geplant gewesen.

Nach der Pause war es dann wirklich ein Festakt mit einem Grußwort des Staatsopern-Intendanten Matthias Schulz und einer Festrede der Mezzosopranistin Waltraud Meier, inzwischen Ehrenmitglied der Staatsoper, die an ihre vielen Auftritte und Aufnahmen mit dem Chor erinnerte – das erste Mal hatte man vor über dreißig Jahren zusammengearbeitet.

Eigenwilliges Programm

Schubert und Bruckner – das hat ein Opernchor herzlich selten zu singen. Offensichtlich wollte man, nachdem man das Chorjubiläum im September bereits auf dem Bebelplatz mit Opernchören gefeiert hatte, sich jetzt auch mal als Konzertchor beweisen – zunächst sogar nur mit den Männerstimmen in einer Goethe-Vertonung von Schubert, begleitet von den tiefen Streichern.

Für Anton Bruckners Te Deum zog der gesamte Chor dann um auf einen extra dafür gebauten Chorbalkon auf der Bühne hinter bzw. über dem Orchester.

Opernhafte Wucht

Der Staatsopernchor ist, das hat er sofort unter Beweis gestellt, gestählt mit Wucht und Durchschlagskraft – kein Wunder, wenn man sich bei Verdi, Wagner u. a. durchsetzen muss. Wenn der Chor so richtig loslegt, geht man am besten in Deckung – das ist immer wieder beeindruckend.

Ein bisschen Feinzeichnung hat man dann doch vermissen müssen, allerdings hat die nach wie vor heikle Akustik der Staatsoper dem Chor das Leben schwer gemacht. In den leisen Stellen konnte man den warmen, dichten Klang genießen, bei jedem Fortissimo klingelte dann allerdings das Trommelfell, und auch die Textverständlichkeit war dahin.

Daniel Barenboim nahm das alles monolithartig, auch wenn er bei der problematischen Akustik mitunter Probleme hatte, alle zusammenzuhalten. In sehr positiver Erinnerung bei dieser Aufführung bleibt der südafrikanische Tenor Siyabonga Maqungo, seit kurzem Ensemblemitglied der Staatsoper, für die betörende Gestaltung in diesem Te Deum.

Gemischtwarenladen mit Haydn und Francesconi

Welcher dramaturgische Hintersinn in der Ergänzung des Programms mit Haydn und Francesconi liegt, bleibt ein Geheimnis. Auch warum Daniel Barenboim unbedingt Haydn dirigieren musste. Von historisch-informierter Aufführungspraxis hält er offenkundig herzlich wenig – die Aufführung der Sinfonie Nr. 104 war fröhlich, gleichförmig, routiniert – und langweilig.

Durchaus faszinierende Momente fanden sich in Luca Francesconis „Dentro non ha tempo“, ein vor sieben Jahren komponiertes Orchesterstück, das hier zur Deutschen Erstaufführung kam. Vielleicht fünf Minuten zu lang, zeigt es in seinen besten Stellen ein raffiniertes Spiel mit Klangfarben, bei denen man nie genau weiß, von welchen Instrumenten was erzeugt wird – bis hin zu raumgreifenden Steigerungen, die das Publikum zu verschlucken drohten.

Was bleibt? Ein merkwürdiger Abend, halb Festkonzert, halb Gemischtwarenladen, der einen ein wenig ratlos zurücklässt ...

Andreas Göbel, rbbKultur

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