Spectrum Concerts, Ensemble © Adil Razali
Adil Razali
Mitglieder des Ensembles Spectrum Concerts Berlin | Bild: Adil Razali Download (mp3, 7 MB)

Philharmonie Berlin | Kammermusiksaal - Spectrum Concerts Berlin

Eine Konzertkritik von Clemens Golgberg

Schon oft habe ich den "Spirit" der Konzertreihe Spectrum Concerts erleben dürfen und er war auch dieses Mal, vielleicht in besonderem Maße, zu spüren. Durch alle Reisebeschränkungen und Omikron-Gefährdungen hatten sich acht MusikerInnen für zwei Streichoktette zusammengefunden. Wie da zum Beispiel die unterschwellige Energie in Mendelssohns jugendlichem Geniestreich im letzten Satz sich endgültig Bahn brach, das war schlicht überwältigend.

Wie raffiniert Mendelssohn zwischen Gemeinsamkeit und Einzelstimmen immer wieder neue Kombinationen wirksam erkundet, ist hinreissend. Da ist ein 16-Jähriger, der alles vor sich hat und schon alles kann. Er kennt aber auch die Gefahren, hat schon unglaubliche Empfindungstiefe. Clara-Jumi Kang führt von der ersten Geige mit hoher Energie und immer unter Hochspannung, vielleicht manchmal auch etwas zu viel davon.

Ganz anders Boris Brovtsin in Enescus ebenfalls jungendlichem Oktett. Er hat eine ganz seltene Beseelung in seinem Spiel, eine ganz uneitle Selbst-Verständlichkeit. Die kommt dem Werk sehr zugute, das schon einen ganz eigenen Stil zeigt. Kein Komponist klingt so im Jahr 1900! Hier sind die Einzelnen nämlich zum Teil wilde Gesellen, die heftig ihre Meinung kundtun. Aber bei aller Individualität zieht sich die lange Melodie des Anfangs, die sieben von acht Streichern unisono am Anfang vortragen. Wie sich Einzelne zu gemeinsamem Handeln zusammentun, und das ästhetisch hoch originell, dann aber wieder zusammenfinden, das ist durchaus ein Modell, das unserer Gesellschaft des zum Teil unproduktiven Streits als Vorbild dienen könnte.

Clemens Goldberg, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Staatsoper Berlin: Mitridate, Re di Ponto © Bernd Uhlig
Bernd Uhlig

Staatsoper Unter den Linden - "Mitridate, Re di Ponto" von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart war gerade erst 14 Jahre alt, als er auf seiner ersten Italienreise den Auftrag erhielt, für das Mailänder Teatro Regio Ducale eine große Oper zu komponieren: "Mitridate, Re di Ponto". Die Uraufführung fand 1770 statt. Inspiriert zu der Oper wurde Mozart von einem Drama des französischen Tragödiendichters Racine. Es geht in der Geschichte um einen König, seine beiden sehr unterschiedlichen Söhne, die beide dieselbe Frau lieben, die aber zugleich die Braut des Königs ist. Nun hat sich die Staatsoper Berlin dieses Stück voller Pathos und Leidenschaften vorgenommen, inszeniert wurde es von einem japanischen Team um den Regisseur Satoshi Miyagi.

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Komische Oper: Der fliegende Holländer © Annette Riedl/dpa
Annette Riedl/dpa

Komische Oper Berlin - "Der fliegende Holländer" von Richard Wagner

Keine Freikarten-Claqueure diesmal. Bei Herbert-Fritsch-Premieren nämlich, einem Darling von Berlin, wird jeder Sitzplatz dringend gebraucht. Als Komödie hatte die Komische Oper diese Deutung des "Fliegenden Holländers" angezeigt. "Vorsicht!", so Fritsch. "Ich werde immer mit Komödie angekündigt, egal was ich mache."

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