Gustavo Dudamel © picture alliance/dpa/David Zorrakino
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Philharmonie Berlin - Die Berliner Philharmoniker unter Gustavo Dudamel

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Es gibt wohl kaum ein emotionaleres Werk als die zweite Sinfonie von Gustav Mahler – ein gigantisches Werk von neunzig Minuten Dauer, das alles enthält – von Apokalypse bis hin zu hoffnungsvollen Momenten.

Am Beginn jedoch stand das Gedenken an die Menschen in der Ukraine. Bereits zuvor hatten die Berliner Philharmoniker in einer Pressemitteilung ihre Solidarität erklärt. Chefdirigent Kirill Petrenko bezeichnete den Angriff als „Messer im Rücken der ganzen friedlichen Welt“ und als "Angriff auf die Kunst".

Am Abend selbst waren die Seiten des Saals der Philharmonie in den Farben der ukrainischen Fahne angestrahlt, und vor dem Konzert gab es eine Schweigeminute für die Betroffenen in dem Land.

Kein Schönklang

Nun ist die zweite Sinfonie von Gustav Mahler ein ohnehin hoch emotionales Werk mit hymnischem Jubel, aber eben auch geradezu apokalyptischen Stellen, und man konnte den Eindruck gewinnen, dass die aktuellen Ereignisse auch in der Interpretation ihre Spuren hinterlassen haben.

Wie am Beginn der Sinfonie der sonst selbstverständliche sinfonische Schönklang der Berliner Philharmoniker so aufrüttelnd über den Haufen geworfen wurde, wie es wütend, gar panisch wirkte – das hatte man zuvor kaum einmal so extrem erlebt.

Emotionaler Dirigent

Gustavo Dudamel konzentriert sich gerne auf das Emotionale – entweder richtig aufrüttelnd oder bezaubernd schön. Dagegen ist nichts einzuwenden – Dudamel kennt das Werk sehr gut, dirigierte auswendig - nur fehlten hier wie so oft bei ihm die Zwischentöne. Wo Mahler differenziert, plätscherte es gleichförmig dahin. Die Ausbrüche überzeugten, aber wo eine zweite Ebene fehlte, klang es streckenweise auch ziemlich oberflächlich.

Umso mehr bewegte sich das Orchester auf traumwandlerisch hervorragendem Niveau – besonders dort, wo Mahler einen Gegenentwurf zum Apokalyptischen formuliert. Etliche Soli waren von geradezu überirdischer Schönheit.

Der Blick auf das Individuum

Neben den gewaltigen Klangmassen findet Mahler auch immer den Blick auf das Individuum. „Der Mensch liegt in größter Not“ heißt es im Orchesterlied des vierten Satzes – es sind eben immer auch und gerade die Einzelnen, die etwas erleiden müssen. In der berührend direkten Interpretation von Okka von der Damerau war das auf beklemmende Weise spürbar. Der Kontrast kommt vom großen Chor – hier wie so oft in diesem Werk vom Rundfunkchor Berlin. Aber es ist jedes Mal wieder beeindruckend, wie leise, wie scheinbar weit entfernt dieser Chor seinen allerersten Einsatz gestalten kann – bis zum Fortissimo, das den Saal erbeben lässt.

Stehende Ovationen

Als nach dem letzten raumfüllenden Akkord und knapp anderthalb Stunden dieses Monumentalwerk zu Ende war, gab es sekundenlang Stille im Saal. Hat sich da übertragen, wie wichtig Musik, Kunst, Kultur ja ohnehin, aber derzeit umso mehr sind – um ein Zeichen zu setzen, aber auch um mit all dem umzugehen, was wir in diesen Tagen empfinden? Das Schockierende, die Angst – davon erzählt die Musik. Aber auch von Hoffnung und Schönheit trotz Allem.

Am Ende stehende Ovationen, und das zu Recht. Sicher – das war keine Jahrhundertinterpretation dieser Sinfonie. Aber dieses bewegende Stück – das natürlich schon lange vorher geplant worden war – hätte kaum besser gepasst als in diesen schweren Tagen.

Andreas Göbel, rbbKultur

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