Komische Oper: Schwanda, der Dudelsackpfeifer © Jaro Suffner
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Komische Oper Berlin - "Schwanda, der Dudelsackpfeifer"

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Die Komische Oper Berlin ist bekannt für Wiederentdeckungen einstmals bekannter Opern. Diesmal: "Schwanda, der Dudelsackpfeifer" von Jaromír Weinberger. Und immerhin reicht es für einen freundlichen, unterhaltsamen Opernabend.

Jaromír Weinberger, ein Riesentalent, studierte bei Max Reger, hatte mit seiner "Schwanda"-Oper einen Riesenerfolg im Jahr 1927. Er musste dann aber als Jude in die USA emigrieren und konnte dort nie wieder an diesen Erfolg anknüpfen. Ein tragisches Schicksal.

Seine Oper "Schwanda, der Dudelsackpfeifer" schildert eigentlich eine ländliche Idylle: Schwanda könnte mit seiner Geliebten Dorotka glücklich und zufrieden sein, aber dann taucht eine Figur namens "Babinský" auf, vorgestellt als "Räuber", aber eher eine Mephisto-Figur, und die verwickelt Schwanda in verrückte Situationen – von einer eifersüchtigen Königin bis zu einer Höllen-Szene. Am Ende wird dann doch alles wieder gut.

Eindrucksvolle Musik

Die Sache ist gut gemacht, die Geschichte nicht allzu anspruchsvoll mit effektvollen Szenen, aber wenn es einen Grund gibt, diese Oper wiederaufzuführen, ist es die vielschichtige Musik. Weinberger greift auf tschechische Folklore zurück – die Polka war vor etlichen Jahrzehnten mal Standard in Wunschkonzerten.

Aber es ist viel mehr: Weinberger greift die Moderne seiner Zeit auf: vom Impressionismus über einer Strauss-artige Dekadenz bis hin zur Frechheit eines Hindemith – das alles zu einer eigenständigen und eigensinnigen Tonsprache verdichtet. Das ist eine starke musikalische Handschrift.

Freundlich bebildert

Andreas Homoki, ehemaliger Intendant der Komischen Oper, hat das alles freundlich bebildert. Man sieht eine Laubenpiper-Idylle als Ausgangs- und Endpunkt mit Wiese, Baum, Tisch und Stühlen, betont spießerisch. Die Szene am Hof spielt mit einer Show-Wendeltreppe als billiges Repräsentier-Szenario. Und immer wieder kommt eine Varieté-Vorhang ins Spiel.

Choreografisch wurde hier wieder einmal auf die Musical-tauglichen Bewegungen von Otto Pichler zurückgegriffen. Kurz: es ist immer etwas los auf der Bühne, und das durchaus unterhaltsam. Da verfließen die zweieinhalb Stunden kurzweilig ohne allzu großen Erkenntnisgewinn, macht aber nichts.

Gestört hat eher die in die Jahre gekommene deutsche Textübersetzung von Max Brod, wenn es heißt "Höflichst ersuch ich dich" oder "Auf meinem Hof daheim hört man Gänse schrein". Hier wäre es nicht falsch gewesen, eine Neuübersetzung zu beauftragen.

Dauerfortissimo

Darstellerisch hat man an der Komischen Oper fast immer seiner Freude. Da gibt es kein Rampensingen, sondern Darstellerinnen und Darsteller, die ihre Rollen im besten Sinne verkörpern. So auch Daniel Schmutzhard in der Titelpartie, Tilmann Unger als "Räuber" Babinský oder Kiandra Howarth als Dorotka. Bühnenpräsenz, Spielfreude – alles wunderbar, nur: oft sehr laut und sehr pauschal – stimmlich hat so manches an Feinzeichnung gefehlt.

Dieser Vorwurf geht auch an das Orchester unter Generalmusikdirektor Ainārs Rubiķis – das war sauber einstudiert, fand Momente mit Folkloristischem und Impressionistischem und blieb dem Werk von daher wenig schuldig. Alles das aber übertrug sich einigermaßen grobschlächtig und etliche Dezibel zu laut.

Das war sicher keine Jahrhundertaufführung, aber trotzdem ein kurzweiliger und unterhaltsamer Opernabend.

Andreas Göbel, rbbKultur

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