András Schiff, Pianist © Lukas Beck
Lukas Beck
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Pierre Boulez Saal - Staatskapelle Berlin und András Schiff

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Der Pianist András Schiff ist längst eine lebende Legende. Und einer der großen Bach-Kenner. Bachs Klavierzyklen hat er seit vielen Jahrzehnten im Repertoire. Jetzt wagt er sich mit der Staatskapelle Berlin an die Brandenburgischen Konzerte des Barockmeisters. Und erleidet Schiffbruch ...

Bachs Brandenburgische Konzerte sind für alle eine Herausforderung. Die aktuelle Aufführung hat schon einmal zweieinviertel pausenlose Stunden gedauert. Aber es geht ja auch um viel: Bach hat hier nicht nur sechs der denkbar originellsten Konzertvarianten konstruiert, sondern erweist sich auch als Chronist seiner Zeit: Blockflöten gegen Traversflöte, "moderne" Streicher gegen "aussterbende" Gamben - hier wird eine Zeitenwende in der Musik auskomponiert.

Ein hervorragender Bach-Pianist ist noch lange kein guter Bach-Ensembleleiter

Das ist ein Repertoire für jedes Barock-Originalklangensemble. Für die Staatskapelle Berlin ist das ungewohntes Terrain. Entsprechend überfordert wirken hier nahezu alle. Die Tempi sind schleppend und zäh, alle bemühen sich, irgendwie durchzukommen. Von den Solistinnen und Solisten fremdeln die meisten mit dieser Musik. Einzig die Solo-Oboistin Cristina Gómez besticht durch melodische Intensität, Tim Ribchester als Gast am Cembalo überrascht mit einer solistischen Einlage im 3. Konzert.

András Schiff setzt sich im 5. Konzert an den großen Steinway. Und stellt wieder einmal seine großartige Anschlagskultur unter Beweis: frisch, sprudelnd, lebendig, diamanthaft glitzernd. Für Momente sind da Staubschicht und Spinnweben weggeputzt. Aber man merkt auch: Ein Bach-Kenner und hervorragender Bach-Pianist ist eben noch lange kein guter Bach-Ensembleleiter. Am Pult macht Schiff freundliche Bewegungen zur Musik, das reicht hinten und vorne nicht.

Ein missglückter Abend

Dass moderne Orchester Alte Musik spielen, ist zumal in Berlin nichts Neues. Aber die Orchester, die das tun, holen sich dafür Experten der Alten Musik ans Pult. An der Staatsoper fehlt diese Erfahrung leider. Dort wird regelmäßig dieses Repertoire gepflegt, dann aber werden Originalklangensembles eingeladen. So muss man sich nicht wundern, wenn dieser Abend missglückt ist.

Andreas Göbel, rbbKultur

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