Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker © Monika Rittershaus
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Philharmonie Berlin - Simon Rattle dirigiert die Berliner Philharmoniker

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Die Berliner Philharmoniker pflegen auch zu ihren ehemaligen Chefdirigenten ein sehr gutes Verhältnis. So war es bei Claudio Abbado, und nicht anders ist es bei Simon Rattle, der immer wieder gerne an das Pult seines ehemaligen Orchesters tritt. So auch jetzt, und das mit zwei seiner geschätzten Komponisten: Joseph Haydn und Igor Strawinsky.

Auch nach Simon Rattles Abschied als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker ist das Verhältnis vertrauensvoll: Sir Simon muss gar nicht viel tun. Manchmal steht er einfach nur so da und lässt alle spielen – um dann aber vehement einzugreifen, wenn ihm etwas besonders wichtig ist.

Hausgott Haydn

Simon Rattle dirigiert Joseph Haydn für sein Leben gern. Da ist die Stimmung auch immer sehr gut. Hier besonders, wo vor dem Beginn der Sinfonie Nr. 102 ein Handy losging. Aber Rattle versteht es eben, aus dieser Musik die Pointen herauszukitzeln. Es geht immer anders weiter als gedacht, und immer wieder streckt die Musik einem die Zunge entgegen.

Hausgott Strawinsky

Auch dieser Komponist begleitet Sir Simon sein Leben lang, wie man im Programmheft erfährt, wenn man es nicht ohnehin wusste. Diesmal aber keines seiner großen Ballette, sondern fünfzehn Stücke ganz oder in Auszügen. Eine Stunde lang eine "Strawinsky Journey", also eine Reise durch das Schaffen des Komponisten über sechs Jahrzehnte. Aber eben die Raritäten.

Die Idee an sich ist nicht neu – vor knapp einem Jahr haben das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und der RIAS Kammerchor etwas Ähnliches zum 50. Todestag des Komponisten angesetzt. Allerdings waren das damals die wirklich wichtigen Werke von Strawinsky. Hier gab es bei den Philharmonikern eher die Nebenarbeiten: eine frühe Feuerwerk-Talentprobe für Orchester oder ein paar skurrile Lieder. Man könnte als Motto auch sagen: zu Recht vergessen.

Nebensächlichkeiten

Die Mezzosopranistin Anna Lapkovskaja macht aus den knappen Strawinsky-Liedern das Beste, das hat Witz und Ironie und ist durchaus unterhaltsam und abwechslungsreich.

Man lernt einiges kennen: einen frühen Trauermarsch, der Jahrzehnte verschollen war, Kinderreime von Katzen, die am Herd schlafen und Zwieback essen, einen jungen Elefanten mit einer Zirkuspolka. Dazwischen ein spätes Requiem – oder wenigstens zwei Instrumentalsätze daraus.

Ja, Igor Strawinsky wusste ziemlich heterogen zu komponieren. Diese Auswahl zeigt: Auch Nebensächlichkeiten können Spaß machen. Und: man kann sich auch unter Niveau gut unterhalten, wenn die Berliner Philharmoniker bei mittelmäßigen Werken Spitzenklasse spielen.

Andreas Göbel, rbbKultur

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