"Mitsuko Uchida"; © Decca/ Justin Pumfrey
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Pierre Boulez Saal - Mitsuko Uchida spielt Mozart und Schumann

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Sie ist eine der großen Klavierlegenden: Mit ihren Mozart- und Schubert-Einspielungen hat Mitsuko Uchida für Referenzaufnahmen gesorgt. Mozart gab es wieder, daneben Schumann – und ein paar Miniaturen von György Kurtág.

Mitsuko Uchida weiß, wie man am Flügel singen kann. Ihre melodische Qualität ist seit Jahrzehnten ihr Markenzeichen. Da kann Mozart gerne als freundliches Leichtgewicht gelten – sie erbringt mühelos den Gegenbeweis. Und stellt Mozarts abgründige c-Moll-Fantasie an den Beginn.

Sicher, das könnte schockierender wirken – aber Mitsuko Uchida setzt auf nicht weniger erschütternde Ernsthaftigkeit und ein großes klangliches Fundament. Große Gediegenheit, da scheint der Boulez Saal mit schweren Teppichen ausgehängt. Der Vorteil: Man kann sich zurücklehnen und sich durch die düsteren Welten geleitet fühlen.

Stempel von der Denkmalschutzbehörde

Nein, leicht nimmt Mitsuko Uchida Mozart nicht. Selbst die späte B-Dur-Sonate bekommt bei ihr etwas Gewicht – da muss sie sich erst einmal hineinfinden. Aber dann hat sie die klangliche Dichte, die Welt ist in Ordnung, die Wärmflasche liegt für alle Fälle bereit.

In den langsamen Teilen ist das ein Wunder an Ausdruck. Was ein bisschen fehlt, ist der freche, unverschämte Mozart. Mitsuko Uchida geht kein Risiko ein, da ist alles wie von der Denkmalschutzbehörde abgenommen. Alles stimmt, wunderbar, Stempel drauf. Auf diesem hohen Niveau hätte sie durchaus mehr wagen können.

Alberti mit Konfetti

Zweimal Mozart, eingerahmt durch György Kurtág. Dessen Klavierstücke dauern kaum mal länger als eine Minute. Da ist jeder Ton wichtig – wenn man nur kurz nicht hingehört hat: Pech gehabt. Mitsuko Uchida weiß um die Zerbrechlichkeit dieser Musik. Sie nimmt das unter ihr Vergrößerungsglas, und es funktioniert.

Wenn da ein Stück den ironischen Titel trägt: "Einige flüchtige Gedanken über den Alberti-Bass", muss man wissen, dass das die langweiligste Begleit-Floskel in der Klassik ist. Mitsuko Uchida weiß Kurtágs augenzwinkernde Anspielungen schimmernd zart, mit Lächeln und ein wenig Konfetti anzureichern. Natürlich wieder mit ihrem traumhaften Anschlag.

Tigertatze und Samtpfote

Robert Schumanns "Davidsbündlertänze" hört man inzwischen eher selten. Kein Wunder – das sind 18 Klavierstücke, in denen sich Schumann als Künstlerpersönlichkeit zwischen Leidenschaft und Innerlichkeit ziemlich eitel und selbstbezogen inszeniert. Alle paar Momente eine neue Idee als Insider-Gag.

Mitsuko Uchida arbeitet sich durch diesen Dschungel in einer Mischung aus Tigertatze und Samtpfote (bei Schumann heißt das "Florestan" und "Eusebius"). Ihr Erfolgsrezept: Sie kann einfach gestalten, und "einfach" heißt bei ihr eben nicht banal, sondern es ist fokussiert auf ihre Melodie, eine Phrase, eine Verbindung. Wie es bei einem Gedicht auf jedes Wort, mitunter auf jede Silbe ankommt, scheint sie über jeden Ton nachgedacht zu haben – wertvolle, kostbare Momente.

Aveu: Passionato

Im Publikum – einmal abgesehen von ein paar Handy-Klingeltönen – spannungsvolle Stille. Natürlich ist Mitsuko Uchida nicht um eine Zugabe herumgekommen. Die Frage war nur: was?

Sie ist bei Robert Schumann geblieben: eine Miniatur aus dem "Carnaval": das "Aveu" mit der Vortragsbezeichnung "Passionato". Kaum eine Minute lang, aber unglaublich poetisch gespielt. Danach ist sie aufgestanden, hat sich verbeugt, ins Publikum gewunken und ist von der Bühne gegangen. Welch schöner Schluss!

Andreas Göbel, rbbKultur

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