Christian Thielemann © 
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Staatsoper Unter den Linden - Christian Thielemann dirigiert die Staatskapelle Berlin

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Eigentlich sollte Dirigentenlegende Herbert Blomstedt das letzte Abonnementkonzert der Staatskapelle Berlin in dieser Saison dirigieren. Dieser war jedoch gestürzt und musste absagen. Extrem kurzfristig sprang als echte Luxusvariante Christian Thielemann ein.

Eine ganze Probe hatte man für das Programm. Aber wenn ein erfahrener Profi auf ein Spitzenorchester trifft, kann das manchmal ungeahnte Kräfte freisetzen. Wie das Orchester Christian Thielemanns Gesten und Signalen folgte, deutete darauf hin, dass man aneinander Gefallen gefunden hatte.

Keine Sekunde Langeweile

Keine Mozart-Sinfonie, wie von Blomstedt angesetzt, dafür mit Vorspiel und Liebestod aus Richard Wagners "Tristan und Isolde" eines der Leib- und Magenstücke von Christian Thielemann, hier in die Extreme getrieben mit Klangeruptionen und Pausen, bei denen niemand im Publikum zu atmen schien.

Anton Bruckners 7. Sinfonie hatte Thielemann von Blomstedts Programm übernommen, diesem Großwerk aber trotz der kurzen Vorbereitungszeit seinen ganz eigenen Stempel aufgedrückt mit emotionalen Höhepunkten - strahlendem Jubel und erhabener Trauer, grandiosen Übergängen und traumhaften Melodiebögen. Das war nicht eine Sekunde langweilig.

Staatskapelle Berlin © Peter Adamik
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Beginn einer intensiveren Zusammenarbeit?

Könnte das der Beginn einer intensiveren Zusammenarbeit sein? Nach dem Konzert schien es so, wie sich Orchester und Dirigent gegenseitig feierten und sich beieinander bedankten. Gut zusammenpassen würde das, wo die Staatskapelle ohnehin einen spätromantischen Ansatz pflegt. Für den derzeitigen Generalmusikdirektor an der Staatsoper, Daniel Barenboim, braucht man perspektivisch dringend eine Nachfolge. Die viel diskutierten Namen wie Welser-Möst oder Pappano wären allenfalls guter Durchschnitt, und ab 2024 hätte Thielemann ja Zeit, enger mit der Staatsoper zusammenzuarbeiten, wenn sein Vertrag in Dresden endet. Und von Potsdam-Babelsberg, wo er wohnt, hätte er es auch nicht allzu weit nach Berlin-Mitte ...

Andreas Göbel, rbbKultur

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