Lautten Compagney; © Ida Zenna
Ida Zenna
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Die 12. Musiktage zur Tag- und Nachtgleiche - AEQUINOX Musiktage Neuruppin

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Zur Tag- und Nachtgleiche war die Corona-Situation noch zu heikel, so verschob man das AEQUINOX-Festival in Neuruppin in den Sommer. Der künstlerische Leiter Wolfgang Katschner ist für seine originelle Programmgestaltung zwischen "alter" und "heutiger" Musik berühmt. Schon am Eröffnungsabend kann man so zuerst Monteverdis Madrigale über die Liebe als Krieg mit der lautten compagney BERLIN und dem Ensemble Amarcord und in einem zweiten Konzert eine Hommage an Leonard Cohen mit Joel Frederiksen und dem Ensemble Phoenix erleben.

Wie aktuell die Corona-Lage schon wieder ist, musste man durch zwei Ausfälle beim Ensemble Amarcord realisieren. Fast unglaublich, dass sich in einem Tag zwei Ersatzsänger fanden und das Eröffnungskonzert retteten.

Das 8. Madrigalbuch Monteverdis: packend und doppelbödig

Vor diesem Hintergrund will ich natürlich nicht die kleinen Wackler und Unsicherheiten genau beleuchten. Wie modern, wie unglaublich packend und auch doppelbödig das 8. Madrigalbuch Monteverdis auch heute ist, das konnte man durchaus erleben. Da brennt es zum Beispiel, muss gelöscht werden. Zu Monteverdis Zeiten war das ganz real, die schlimmste Gefahr. So ist die Liebe! oder dass man sein Herz wie Diamanten härten muss, dass man Amor nicht mit Pfeil und Bogen bekämpft, wie köstlich!

Ein paar kleine Erklärungen vorweg hätten zu noch größerem Lustgewinn geführt, es braucht oft nur drei Sätze der Erklärung, um eine ganz neue Erfahrung zu erzeugen. Etwa zum letzten Madrigal, wo der Kriegsherr Ferdinand (wer war das eigentlich?) ein wenig zu bombastisch für seine Kriegstaten gelobt wird. Wie war Krieg damals, wie heute?

"Floaten" zwischen alt und neu

Ein ganz anderes, sehr intimes und beeindruckendes Erlebnis war das Konzert mit dem Ensemble Phoenix aus München. Joel Frederiksen verwob dabei Songs des charismatischen Sängers Leonard Cohen mit Hits des 16. und 17. Jahrhunderts. Aber nicht etwa hintereinander, sondern ineinander raffiniert zu einer Geschichte verbunden. Die Gamben und Zupfinstrumente vermochten ganz nahtlos zwischen alt und neu zu floaten. Das kann nur gelingen, wenn mit großer Ausstrahlung musiziert wird. Da vergisst man dann letztlich, wie weit die Textebenen von Susanne aus dem Alten Testament und Cohens Suzanne doch letztlich sind.

Einen wirklichen Flow zu erreichen ist das Ziel jedes Konzerts, hier wurde es erreicht wie selten.

Clemens Goldberg, rbbKultur

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