Boulez Ensemble © Peter Adamik
Peter Adamik
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Pierre Boulez Saal - Zubin Mehta dirigiert das Boulez Ensemble

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Vier große Namen kamen zusammen: Dirigent Zubin Mehta, Schauspieler Dominique Horwitz – und die beiden Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart und Igor Strawinsky. Eine gewagte Kombination – und ein spezieller Abend.

Zubin Mehta betritt die Bühne – und der zunächst freundliche Applaus wird zum Beifallssturm. Dabei ist der inzwischen 86-jährige Altmeister die Bescheidenheit in Person. Ruhig betritt er mit Hilfe seines Stocks die Bühne, ersteigt das Podium, hängt den Stock über die Brüstung und setzt sich auf den bereitstehenden Bürostuhl. So weit so entspannt, aber dann geht es ohne Verzögerung los.

Rotwein plus Eiswürfel

Wolfgang Amadeus Mozarts "Gran Partita" hätte keinen Dirigenten gebraucht. Das hätten die dreizehn auf der Bühne auch alleine gekonnt, zumal der Solo-Oboist der Staatskapelle Berlin
Gregor Witt auch etwas von Ensembleleitung versteht und ganz dezent alles zusammenhält. Nur: Zubin Mehta war einfach da, und das war entscheidend. Er hat alle machen lassen, hat ganz wenig dirigiert und auch die flotten Tempi mitgemacht, was sonst nicht so seine Sache ist.

Aber hier waren alle mit Herzblut dabei, das hatte eine Dichte und Intensität, ein schwerer Rotwein. Bei Mozart?! Ja, das hat funktioniert: eine Wärme, eine gewisse Dickflüssigkeit, fast sirupartig an manchen Stellen, und dann im Finale doch ein paar Eiswürfel. Dieser Cocktail hat funktioniert, das war Unterhaltung auf bestem Niveau und trotz gut 50 Minuten nie langweilig.

Der Teufel wartet

Igor Strawinskys "Geschichte vom Soldaten" ist im Ersten Weltkrieg entstanden. Ein Soldat ist auf Urlaub, begegnet dem Teufel, tauscht seine Geige gegen ein magisches Buch, das ihn reich, aber nicht glücklich macht. Er heilt die Prinzessin, bekommt seine Geige zurück, weil er den Teufel unter den Tisch trinkt. Und dann bekommt er Heimweh, darf nicht zurück, tut es trotzdem – und da wartet schon der Teufel.

Eine skurrile Geschichte, vom Ironiker Strawinsky lakonisch in Szene gesetzt, aphoristisch und knapp. Märsche und Militärmusik, zynisch inszeniert mit wenigen Instrumenten um Trompete und Schlagzeug. Halt eine Notbesetzung.

Dominique Horwitz; © Ralf Brinkhoff
Bild: Ralf Brinkhoff

Der Teufel als Kobold

Da gibt es mehrere Fassungen. Die reine Musik dauert eine knappe halbe Stunde, hier war es das Doppelte, denn man wollte die Geschichte schon auch noch erzählen. Und hat sich keinen Geringeren als den Schauspieler Dominique Horwitz eingeladen. Der will spielen und kann kaum mal stillstehen, spricht den Text nicht nur, sondern deklamiert, ist wie in einem Hörspiel mal Soldat, mal Teufel. Und wenn er den Teufel spricht, klingt das nach Kobold Pumuckl.

Unterhaltsam ist das alles schon, nur kaum verständlich. Die Akustik im Saal und die Verstärkung seines Headsets sorgt für eine undeutliche, mumpfige und hallige Wirkung. Wer die Geschichte nicht kennt, ist vollkommen verloren.

Musikartistik

Das kleine Ensemble weiß mit dieser Musik brillant umzugehen. Zubin Mehta am Pult muss da kaum etwas machen, ist ganz entspannt und kann es auch sein. Mit seiner Erfahrung weiß er, dass er keine Angst haben muss.

Richtiger Ansatz. Das Boulez Ensemble hatte hier zwei Mitglieder der Staatskapelle an der Spitze, die es einfach nur konnten: die Erste Konzertmeisterin Jiyoon Lee und den Solo-Trompeter Christian Batzdorf. Sie haben es knattern und fetzen lassen. So klingt Virtuosität, augenzwinkernd zwischen Feuerschlucker und Seiltanz. Ein echtes Vergnügen.

Andreas Göbel, rbbKultur

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